Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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32 kommt. Karze Zeit darauf aber änderte Herr Dechant seine Meinung und wollte alle an der Kirche gelegenen Judenhäuser renoviert haben, wodurch die halbe Judenstadt demoliert würde. Der Wirtschaftshauptmann fragt an, was nun geschehen solle, und der Kreishauptmann berichtet über die Anfrage nach Brünn, worauf das königliche Gubernium am 9. Mai entschied, dass ״vermöge des kaiserlichen Patents vom 28. März und der dem Kreisamt am 7. April intimierten Resolution mit satsamer Transferierung allerdings zu verfahren 8ei.u Zahlreiche Familien, die ״überzählig“ waren, mussten damals aus P. auswandern und Hessen sich in Ungarn nieder 1). 1734 muss P. ausser den gewöhnlichen Abgaben und Steuern 1700 fl Patentgeld zahlen, wodurch gewisse Erleichterungen in den Ehebeschränkungen erlangt werden sollten. Die Gemeinde verhandelte mit Wiener Finanzkreisen wegen Aufnahme eines Darlehns. Gräfin Zierotin und Graf Kolschmied gewährten ihnen je 10000 fl gegen landesübliche hohe Verzinsung3). Als 1742 die Preussen in P. einzogen und grossen Schaden verursachten, mussten die Juden den zehnten Teil der Wiederherstellungskosten tragen. Besser als die anderen Landesbewohner konnten sich die Juden mit den Eroberern in deutscher Sprache verständigen; die Folge war, dass man die Juden des Landes- Verrates und des Einverständnisses mit dem Feinde verdächtigte. Zunächst mussten die Juden eine Defensionssteuer von 15000 fl entrichten, Prossnitz als zweitgrösste Judengemeinde Mährens hatte etwa 930 fl beizutragen3). Dann kam am 17. Mai 1742 aus Brünn ein Patent, dass die Judenschaft Mährens bis zum 20. März 50000 fl Kriegssteuer abzuliefern hätte, widrigenfalls alle Juden, wo sie in Mähren anzutreffen seien, geplündert und niedergemacht würden. Im weiteren Verlaufe des siebenjährigen Krieges war die Gemeinde nicht mehr imstande, die Steuern aufzubringen. 1747 blieb sie 1000 fl schuldig, die in Baten abbezahlt werden sollten 4). Mit Kaiser Josef II. bricht für die Juden Österreichs die Zeit der Freiheit au. Ein Prossnitzer Rabbiner war es, der 1848 die *) Gememdebach p. 34 a. *) ibid. p. 36 and p. 126 b. י) Ibid. p. 104 a. ף ibid. p. 123 b.