Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XV. (1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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27 sehr duldsam. Zwischen 1528 und 1555 durften die mährischen Brüder in P. sechs Synoden abhalten. Sie eröffneten daselbst eine Buchdruckerei, in der 1527 das erste böhmische Buch in Mähren erschien1). Im Jahre 1600 kaufte Karl von Lichtenstein die Städte Prossnitz und Plumenau. Die Stadt wurde im dreissigjährigen Kriege erst von kaiserlichen, dann von schwedischen Truppen ausgeplündert (1642/3). Während der Schwedenkriege waren in der Stadt und Vorstadt 700 Ansässige. Nach dem Kriege Hessen sich erst 1649 wieder Leute dort nieder. 1663 hatte P. kaum 200 Einwohner. 1793 zählte P. 5300 Seelen, 1907 hatte es 28000 Einwohner. I. Aeussere Geschichte der Juden. 1• Jüdische Niederlassung. Der österreichische Historiker Hormayr2) berichtet, Grabsteine älterer Judenstädte, besonders von Prossnitz, Boskowitz und Nikolsbürg würden bezeugen, dass es dort schon im XI. Jahrhundert Judenansiedlungen gegeben habe. Soweit Prossnitz in Betracht kommt ist diese Angabe sicherlich unrichtig. Die Quellen schweigen darüber, ob P. an den grausamen Judenverfolgungen in Mähren in den Jahren 1338, 1348 und H 96 beteiligt war. Eine anonyme Chronik, die den Zeitraum von 1495—1663 behandelt, weiss auch nichts von einer alten Judensiedlung3). Höchstwahrscheinlich fand die erste Ansiedlung von Juden in P. nach dem verhängnisvollen Jahre 1454 statt, als Capistranö, die Geisse! der Juden genannt, deren Vertreibung aus Olmütz veranlasste4). Der duldsame Georg von Kravar, der Hussiten und Piccarditen in P. Schutz und Heimat gewährte, wird auch die vertriebenen Olmützer Juden gastfreundlich aufgenommen haben 5). Vermutlich werden nach den Verfolgungen ף ibid. IV, 230; V, 97; VI. 495 Nr. 69. 2) Hormayr’s Archiv X, 1819, S. 604. Vgl. Bondy-Dworsky, Zur Ge־ schichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien, 1906 II, 882 Nr. 1104. «) Bondy-Dworsky a. a. 0. I 8. 51; W. Müller, Urkundliche Beiträge zur Geschichte der mährischen Judei.schaft im 17. und 18. Jahrhundert, 01־ mütz 1903 S. 11. 4) Siehe Graetz, Geschichte der Juden VIII, 199 ff.' 5) G. Deutsch in Jew: Encycl. X, 225.