Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIV. (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 226)
- Language
- German
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218 Luther verstieg sich zu der Äusseruug: ״Die Juden, so sich für Aerzte ausgeben, bringen die Christen, welche ihre Aerznei brauchen, umb Leib und Gut, denn sie meinen, sie thun Gott einen Dienst, wenn sie den Christen nur weidlich plagen und heimlich umbringen. Und wir tolle Narren haben noch Zuflucht zu unsern Feinden und Widerwärtigen in Gefahr unseres Lebens, versuchen also Gott.“ Er erzählte ״etlicher Juden Aerzte Bosheit und Untreue, die sie getrieben und geübt hätten“1). 1610 behauptete die Wiener medizinische Fakultät: ״Die Juden seien durch ein Gesetz verbunden, jeden zehnten Christen durch ihre Arzeneien aus dem Leben zu schaffen“. Das evangelische Predigerministerium in Frankfurt am Main bat 1623 den Rat, das Gesuch ״des verfluchten Juden“, des bereits zwanzig Jahre praktizierenden Arztes Abraham Hellen, um Aufnahme abzuweisen. ,,Kollegen“ sowohl in Frankreich und Deutschland als auch in Polen hetzten im siebzehnten Jahrhundert in Wort und Schrift gegen jüdische Aerzte ״). Der Gründer des Pietismus Philipp Jacob Spener (st. 1705) riet gleichfalls, dass man Judenärzte und jüdische Hebammen nicht,gebrauchen solle3). 1667 oder kurz danach erklärten die medizinischen Fakultäten von Jena und Leipzig, das Dekanat des Augsburger collegium medicum und das Nürnberger collegium pharmaceuticum es für unstatthaft, dass ein Jude die Erlaubnis zur Führung einer Apotheke erhalte4). ״Im Jahre 1700 hatten die lutherischtheologischen Fakultäten zu Rostock und Wittenberg . . Gutachten gegeben, wonach es sündhaft sei, zum christlichen Kranken einen jüdischen Arzt zu berufen, ln diesem Gutachten wird ausgesagt, dass die jüdischen Aerzte durch Zaubermittel ihre Kuren machten, dann aber, dass kein Chri3t von einem Juden überhaupt geheilt werden könne, endlich, dass es ein jüdisches Gesetz wäre, von je zehn Getauften einen sterben zu lassen. Theologen und י) Dr. Martin Luthers sämratliche Werke, 62. Bd., Frankf. a. M. und Erlangen 1854, Tischreden 6. Bd. S. 367. Zur Stellung des Mittelalters gegenüber jüd. Ärzten vgl. Güdemann, Gesch. des Erziehungsw. und d. Kultur der Jud. in Deutschi. S. 196. ä) Geiger, Zeitschrift f. d. Gesch. der Juden in Deutschi. III 153, Zeitschrift fiir hebr. Bibliographie II 22 f., XVIII 32, jüd. Ärzte in Grosspolen a. a. O. S. 14, 38. •) Zeitgehr. f. d. Gesch. d. J. in Deutschi. IV 31. ף Jahrb. d. jttd.-lit. Ges. VIII 66.