Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIV. (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 135)
- Language
- German
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127 erreichen an Zahl nicht die von R. Jocbanan, die sich über alle Teile des Talmud und Midrasch erstrecken und alle agadischen Probleme umfassen, aber dennoch gehört auch er zu den bedentendsten Wortführern des agadischen Schrifttums. Wie schon früher bemerkt wurde, ist die Agada viel mehr geeignet die Lebensanschauung und das typische Wesen der Talmudlehrer hervortreten zu lassen als die Halacha. Bei der Halacha ist die Deutung der Schrift an feste Formen gebunden; es sind vor allem die überlieferten Regeln (מדות), denen sich alle unterzuordnen haben. Und obgleich es auch hier Gebiete gibt, auf welchen der selbständigen Betätigung des Geistes ein grösserer Spielraum gelassen ist, wie z. B. das Rechtswesen*), so lässt doch der Hinblick auf die Bedeutung der halachischen Diskussion für die Praxis die frei schaffende Phantasie nicht zur Geltung kommen. Einige für die halachische Lehrweise von R. Lakisch charakteristische Züge haben wir oben festzustellen versucht; wir werden aber seine Eigenart doch weit mehr aus seinen agadischen Äusserungen erschliessen können, obgleich es auch hier für die Methode der Forschung und Auslegung bestimmte Grundsätze gab, die allgemein angewendet wurden. Was uns hier überliefert wird, das ist die Lebensweisheit der Tanaim und Amoraim, Sentenzen nad Sprüche über die Gegenstände des religiösen und nationalen Empfindens und Nachdenkens, Betrachtungen über die Vergangenheit und über die Zukunftshoffnungen des jüdischen Volkes, Anschauungen über Gott, über seine Vorsehung und Weltregierung, über sein wunderbares Eingreifen in die Geschicke des Einzelnen wie der Gesamtheit Israels, über die Stellung Israels unter den Völkern, die Geheimnisse der letzten Dinge, Unsterblichkeit und Auferstehung. Die agadischen Aussprüche sind zum Teil der Kern von Reden, die man an das Volk hielt, die deshalb auf die Psyche des Volkes berechnet waren, die aber auch einen Einblick gewähren in die Psyche des Autors. Bei Resch Lakisch tritt uns trotz seiner ernsten Lebensauffassung doch eine optimistische Betrachtungsweise entgegen. Er betont die Reinheit des jüdischen Gottesbegriffs und lehrt die höchste Achtung vor dem Nebenmenschen. Ein charakteristisches Moment in seinen Aussprüchen ist die innige Liebe zu חרוצה שיחביס יעסוק כרעי ממונות ב“ב קע״ה ע״ב (י