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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1921-01-01 · XIV. (1921) · page 73

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIV. (1921)
Date
1921-01-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
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65 meine ganze Habseligkeit im Stich gelassen. Er hielt sieb nicht lange aui, sondern setzte seine Reise nach Markbreit zu seinem Vater fort. Dienstag Nachts hörte man in Hanan eine heftige Kanonade, von welcher inan das Bombardieren von Frankfurt niutmasste; man betrog sich leider nicht. Mittwoch1) kamen schon die Nach richten an, dass die halbe Gasse von die יהודים abgebrannt sei bis an die Schule. M. war bestürzt, denn sein Haus war auf dieser Seite. Es kamen wieder bessere Nachrichten, dass es nicht so weit gebrennt hätte, wie es bei solche Vorfälle zu gehen pflegt; der Eine spricht so, der Andere wieder anders. Bis gegen 11 Uhr endlich kam M. 2 3) in die Stube mit dem Geld, wo M. ihm zurückgelassen hatte, mit diesen Worten: ״Hier habt Ihr noch euer ganz zurückgelassenes Vermögen.“ M., seine Frau, seine Tochter, kurz wir Alle waren bei dieser Nachricht sehr bestürzt; alles schrie zusammen. Seine Tochter Täubche^) tröstete ihn. Er sagte: ״nun, Täubchen, kannst du warten, bis du ein Mann bekommst“ mit vollem Weinen. Das gute Mädchen fuhr mit weinende Augen in seiner Trostrede fort und sagte: ״Lieber Ette, bekümmere dich um mich nichts, ich werde mein Brod verdienen können; ich trachte auf keinen Mann 4); suche dich nur zu fassen, dass du deine kleinere Kinder erhalten und erziehen kannst“. Diese tragische Auftritte, von welchen ich Augenzeuge war, zerbrachen mir fast das Herz und durch nichts wurde ich mehr gerührt, als durch die Worte des tugendhaften Mädchens. — Dieses dauerte nun einige Tage und wurde endlich auch vergessen, denn er hatte nichts als sein Haus verloren das Übrige ist fast alles gerettet worden. י) d. i. 13. Juli 1796 wie oben gesagt. 2) Der oben genannte ״Ladenbediente“. 3) Bei der früheren Beschreibung der Hausgenossen äussert sieh der Verfasser : ״Die älteste Tochter Täubche, ein Mädchen von ungefähr 17 Jahr, besitzt viel Verstand, ist recht tugendhaft, gütig gegen alle Menschen, geschickt in weiblichen Arbeiten und ein wenig hässlich, hat aber seine gerade Glieder; derjenige, der e* zur Ehefrau bekommt, ist wirklich glücklich“. 4) Wie ich Dietz (Stammbuch der Frankfurter Juden) entnehme, bekam das bescheidene Mädchen dQch noch einen Mann; es heiratete 1801 seinen Onkel H. Jahrbuch der J. L. G. XIU. 5

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