Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XIV. (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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63 ln einem handschriftlichen Memoirenbuch1 2) findet sieh von einem Zeitgenossen folgende Schilderung: ״Gegen ר״ח תכוה kam Frankfurt in eine grosse Gefahr. Der Krieg /,wischen Deutschland und Frankreich war in grösster Flamme; Frankfurt war mit kaiserlichen Truppen besetzt; die Franzosen sind bei Düsseldorf über den Rhein gesetzt und rückten allmählich gegen Frankfurt an. Sie kamen endlich nabe an Frankfurt; es flüchteten alle Kaufleute nach Hanau, eine dem Landgrafen von Hessen-Kassel gehörige Stadt, welche neutral war. Mein“) ב״ב M. S. hatte auch alles Seine verpackt und nach Hanau geschickt. Der Schrecken von die Frankfurter nahm täglich zu, sodass ein־, mal am שבת zu früh ein grosser Lärm kam, die Franzosen seien vor dem Thor. Viele, von dem Schrecken betäubt, fuhren am שבת fort, theils auf Schiffen, theils in Kutschen, Wägen. M. S. hat auch ein Schiff gemiethet, seine Kinder fortzuschieken. Ich merkte nun, dass ich mitfahren sollte, welches mir nicht anständig war, am שבת zu fahren. Ich ging zum3) רב mich zu befragen; dieser wollte mir's nicht erlauben. Er sagte, wenn die Gefahr gross wäre, bliebe auch er nicht da; die Gefahr ist aber nicht so gross und man dürfe nicht ״מחלל שבת sein .... Indessen nahm die Unruhe in Frankfurt immer zu; die kaiserlichen Truppen marschirten auf ihrer Retirade unaufhörlich durch Frankfurt. Die Frankfurter Judenschaft wurde durch Frankfurter selbst bei der französischen Regierung sehr verleumdet, dass sie bei deren Rückzug in Custine's4) Zeiten übel mit die französische Soldaten verfahren seien. Daher entstand der grosse Schrecken unter die יהודים. 1) Das Memoirenbuch schildert in sehr lebhafter Darstellung die mannig־ fachen Schicksale eines fahrenden Schülers E. H. aus dem Eisass, der sich in Sierentz, Hagenthal, Breisach, Mannheim und Frankfurt als Talmudschüler und teilweise auch als Hauslehrer aufhielt. Ich besitze die Abschrift diaser Selbstbiografie, die bedauerlicherweise aus Gründen, deren Bekanntgabe unterbleiben muss, nicht vollständig veröffentlicht werden kann. 2) Mit בעל הבית bezeichnet der Schreiber E. H. den Mann, bei dem er als Hauslehrer angestellt war. 8) Der damalige Frankfurter Rabbiner war R. Pinehas Horowitz •(בעל הפלאה) 4) Custine, ein französischer General, welcher Mainz eroberte und sieb in n״r) festgesetzt hatte, musste diesen Platz für die Preussen and Hessen räumen. Vgl. hierzu Geiger, Ztsch. für die Gesch. d. Juden in Deutschland, III, 284.