Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1920-01-01 · XIII. (1920) · page 312

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XIII. (1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 312)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3486266-3486291--5496-3491867
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

261 dieses jedoch vor dem Kriege, als man ihre Schritte argwöhnisch beobachtete. Trotz allem durften und konnten sie damals vor R. Akiba im Lehrhaus sitzen. Allein das Lesen des Sch’ma war ihnen verboten, und es war sogar Lebensgefahr damit verknüpft, wie die Worte ״Die Stunde der Gefahr ist kein Boweis“ welche die Gelehrten dem R. Meir erwiderten, uns zeigen. Die römischen Geschichtsschreiber erwähnen nur die Entweihung Jerusalems und der Tempelstätte sowie das Verbot der Beschneidung als Veranlassung des Aufstands. Die Sabbat- und Reinheitsgesetze waren ihnen entweder nicht bekannt oder sie konnten nicht verstehen, dass deren gesetzliche Untersagung das Volk zum Aufstand treiben konnte. Es steht jedoch zweifellos fest, ' dass Hadrian schon vor dem Kriege auch diese Religionsübungen verboten hat. Eine interessante Parallele dazu bietet Josephus' Wiedergabe der Religionsverbote des Antiochus Epiphanes im Vergleich mit den beiden Makkabäerbüchem. Während I. Makk. 1, 41 und II. Makk. 6, 6—8 neben der Tempelentweihung, den unreinen Opfern und dem Verbot der Beschneidung auch vom Verbot der Sabbatheiligung und der Beachtung der Speisegesetze gesprochen wird, erzählt Josephusx in seinen für die Lektüre der Römer geschriebenen Büchern Bellum 1, 2 und Ant. 12, 4 nur Dinge, die sich auf Tempel, Opfer und Beschneidung beziehen, gewiss in der Voraussetzung, dass seine Leser, die Römer, kein Verständnis dafür haben würden, wegen des Sabbats und der Speisegesetze zur Empörung zu schreiten. Nach den übereinstimmenden Berichten von Freund und Feind kann kein Zweitel übrig bleiben, dass das israelitische Volk, welches die Verfolgungen und Bedrückungen eines Domitian und Trajan wehrlos ertragen hatte, nur durch die geistige Not, welche ihm die Tempelschändung und die Untersagung heiligster Religigionsgesetze brachten, in vollem Bewusstsein der Gefahr die Waffen gegen Hadrian erhob. Es ist dasselbe Bild wie in den Tagen der Hasmonäer. Wie jeder einzelne den Tod einem Leben ohne Gesetz vorzog, so liess es auch die Gesamtheit auf einen Kampf auf Leben und Tod ankommen. Da man dem Volkskörper seine Seele, die Religion, nehmen wollte, erschien die Weiterexistenz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.