Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1918-01-01 · XII. (1918) · page 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
XII. (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 172)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3486266-3486293--5024-3491394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

unbefangener deutscher christlicher Beobachter eine weit günstigere Beurteilungx): ״Die Juden beschämen in ihrem Unterricht die Christen. .Denn es ist keine Judengemeinde, welche nicht eine Schulanstalt hätte, und der ärmste Jude weiss von seiner Religion mehr, als die niedere Klasse der Christenheit in Polen vom Christenthum״. Selbst ein preussischer Minister sagte von diesen polnischen Juden: ״Im ganzen genommen ist der Jude in Süd• preussen [dem 1793 zu Preussen gekommenen polnischen Landes• teile] ein kultivierterer Mensch als der Bürger in kleinen Städten und der Bauer auf dem platten Lande442). In den Tagen Wesaelys überragte das niedere jüdische Schulwesen Polens das polnische bei weitem 3). Ist Wesselys Behauptung wahr, dass die Knaben 1״m Lehrhause nicht die Wege der [sittlichen] Eigenschaften und Seelenkünde gehört haben?4 ״). Sprechen nicht aus allen Blättern von Bibel und Talmud, denen der Eifer der damaligen jüdischen Jugend galt, die reinste Sittlichkeit zu den Herzen, die höchste Weisheit zum Verstände? War es wahr, dass die Israeliten ״aufgehört haben Grammatik und Stilistik zu erlernen5?״). Wessely übertreibt auch hier. In seinem früheren Wohnort Amsterdam hatte er selbst Freunde der hebräischen Sprachkunde gefunden, in Frankfurt am Main gab es kurz vor seinem Auftreten eine förmliche Gemeinde von Verehrern der jüdischen Grammatik. Es erscheint ausgeschlossen, dass ihre Spuren bereits vollkommen verwischt gewesen sein sollen, als Wessely dies schrieb. Ein Zeitgenosse, Josef Essen* verbrachte seine Jugendzeit in Amsterdam, wo er Gelegenheit hatte* viele Schüler in die Kenntnis der hebräischen Grammatik einzuführen 6). In Berlin sammelte sich um Wessely ״eine grosse Ver- Sammlung von Liebhabern und Forschern auf hebräischem Sprachgebiet44; hier fand ein zweiter Gelehrter, der Vorlesungen über hebräische Synonymik hielt, enthusiastische Teilnahme bei älteren und jüngeren Gelehrten. Isaak Satanow, der ja gleichfalls zum Kreise der ז) MGWJ L1X 286. 2) Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland III 33. 3) Histor. Monatsbli. f. d. Prov. Posen XVIII, 1917, S. 159 ff. 4) Sendschr. [S. 4 b]: וכן לא שמעו [הנערים! בבית הספר דרכי המרות 5 .יחכמת הנפש) Das• is. 8 b, 14bf.1. ®) mgwj 1917 s. 290.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.