Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 135)
- Language
- German
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Der Patriarch Hillel. Zwei Vortrage. Von Rabbiner Dr. Solomon Stein in Schweinfnrt. In unserer heiligen Thorah wird uns der Stammvater des jüdischen Volkes im Gegensatz zu seinem das Waffenhandwerk liebenden und übenden Bruder Esau als der ״ יושב אהליםder friedliehe Zeitenbewohner״ geschildert, der nach mündlicher Ueberlieferung in den ältesten Lehrhäusern (במדרשו של שם ועבר) seine Tage verbrachte, um in der Beschäftigung mit der Lehre Gott zu suchen und zu finden. Damit mag es Zusammenhängen, dass fast zu allen Zeiten das wahre jüdische Leben seinen Ausdruck, aber auch seine Pflege im Lehrhause fand. Ganz besonders war das natürlich der Fall seit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels, seit welcher Zeit die jüdische Geschichte ausschliesslich die Geschichte des geistigen Lebens und Webens geworden ist, seitdem es nur noch eine Literatur- und Kultur-Geschichte des Judentums gibt. Aber es gilt auch tür diejenigen geschichtlichen Perioden, in denen das Judentum noch einen politischen Faktor bildete. Zumal dann, wenn auf der Bühne des politischen Lebens unbefriedigende, hässliche, schmerzerregende Vorgänge sich abspielten, zogen sich die besseren, edleren Geister in die Einsamkeit des Lehrhauses zurück, um dort in der Stille und Zurückgezogenheit durch Pflege des geistigen Lebens dafür zu sorgen, dass das Judentum, innerlich stark, die Widrigkeiten der Zeit besiege und seine ewige Zukunft begründe. Auch der Forscher wendet sich bei der Betrachtung solcher Zeitabschnitte gerne von den äusseren Geschehnissen ab und tritt mit ahnungsvoller Genugtuung in die