Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- XII. (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
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84 Zu diesem Zwecke hat das Mitglied der portugiesischen Studienkommision, Herr Joaquim Bensaude, i. J. 1912 eine Abhandlung unter dem Titel ״L’astronomie nautique au Portugal ä Pepoque des grandes decouvertes“ veröffentlicht, der bereits mehrere Dokumente in prachtvoller Ausstattung gefolgt sind. Diese Arbeiten haben in wissenschaftlichen Kreisen die wohlverdiente Beachtung gefunden. Die Geographen und Astronomen fast aller europäischen Länder haben ihnen in den Fachzeitschriften eingehende Besprechungen gewidmet; die Pariser Akademie hat dem Verfasser einen Preis zuerkannt, und sehr viele, namentlich deutsche Gelehrte beschältigen sich angelegentlichst mit den in genannter Schrift berührten Fragen. Hier will ich nur kurz erwähnen, dass Bensaude nachzuweisen versucht, dass die bisher, seit Alexander v. Humboldt, in der Wissenschaft vertretene Meinung, die Portugiesen hätten ihre Kenntnisse in der nautischen Astronomie von einem gewissen Martin Behaim, einem Schüler des deutschen Astronomen Kegiomontanus, gelehrt bekommen, hinfällig sei. Auf Grund eingehender Untersuchungen kommt er zu dem Schluss, dass die Portugiesen auf die Vermittlung ausländischer Lehrer haben verzichten können, da in ihrer Mitte bedeutende Gelehrte in genügender Anzahl gelebt hätten. In seiner ״Geschichte der Mathematik1״) streift Prof. Moritz Cantor denselben Gegenstand : ״Sternkunde setzt immer und überall eine ihr gleichlaufende Entwicklung der Schwesterwissen־ schaff der Mathematik voraus. Wer waren die Träger dieseT Entwieklung in Spanien und Portugal? Wir müssen als Antwort die auffallende Erscheinung ins Licht treten lassen, dass von jener Entwicklung der Mathematik auf spanischem und portugiesischem Boden nur sehr dürftige Spuren nachweisbar sind, so dürftige, dass man sich gezwungen sieht anzunehmen, das kaum Glaubliche sei wirklich Wahrheit: die Schiffahrtskunde habe, wie kaum zuvor, Fortschritte gezeigt, die Mathematik sei damals so gut wie unbeachtet geblieben“. Wer aber waren die Träger und Übermittler der nautischen Wissenschaft auf der pyrenäischen Halbinsel? Mit stolzer Ge־ nugtuung können wir diese mit voller Berechtigung aufgeworfene Frage beantworten: es waren zum grossen Teil jüdische Gelehrte, l) % Aufl. Bd. n. S. 386.