Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 506)
- Language
- German
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414 XV. Volksmfedizinische Regeln gingen in handschriftlichen Aufzeichnungen von Hand zu Hand. Die Kalender brachten Ratschlage zur Verhütung von Volkskrankheiten. Amulette waren häufig1). Mündlich überlieferte Schutz- und Heilmittel wurden vielfach ängewendet. Man hörte vom ״Juden Isaak, der mit der sogenannten Hallischen Arziney herumziehet“, und der 1656 [in Meseritz wirkende Rabbiner R. Samuel meinte: ״Man lasse dem Volke seine Mittel, das Schicksal eines Kranken zu ermitteln, denn eigentliche Magie gab es nur damals, als sie verboten wurde; heute gibt es keine2״)♦ Sicherlich geht mindestens ein Teil der von Jona Goldstein in Lissa 1848 aufgezeichneten Krankheitsmittel auf polnische Zeit zurück3). Wunderdoktoren werden ausser dem erwähnten Joel Heilprin nur selten genannt4). Heilgehilfen gab es im Posener Ghetto 1639 drei, die in jenem Jahre gemäss der Verordnung der Synode der vier Länder Polens schwören mussten, dass sie bei Nichtjuden weder im Hause noch ausserhalb desselben einen Aderlass vornehmen werden. 1643 wurde auf vieles Bitten dieses Verbot für den Fall aufgehoben, dass der den Aderlass heischende den jüdischen Heilgehilfen in sein Haus ruft. In Kobylin waren ihrer 1665 zwei und 1708 einer5). Der Apothekerstand scheint nach den vorliegenden Quellen in den grosspolnischen Ghettis im Gegensatz zu anderen Teilen 1J לחם הפנים I a. a. O., Handschrift Nr. 62 meiner Sammlung Copie des ספר הגזרלות, angefertigt von einem Rawitscher aus Filehne 1820, Mittei״׳ lungen der ^Gesellsch. f. jud. Volkskunde V 44 Anm. 102 aus Flatow, אמד♦ נזעם des Grätzer Predigers Abraham, Hamburg 1844, handschriftlicher Kalender aus Zempelburg vom Jahre 1703; vgl. histor. Monatsblätter f. d. Prov. Posen V 33 Anm. 1, Mitteilungen zur jud. Volkskunde, Berlin 1906, XVII 85. *) Mitteilungen der Gesellsch. f. jud. Volksk. V 18 Anm., 40 Anm., 44 Anm. 102, XVIII 85, Zeitschr. der histor. Gesellsch. HI 111. Die Halle’schen Mittel wurden nach der Stadt Halle benannt. 8) Lewin, Gesch. der Juden in Lissa S. 253. 4) עקיבא איגד S השובות II Nr. 73 .רופאים ובעלי שמית יז) Lewin, Neue Materialien zur Gesch. der Vierländersynode II, Frankf. a. M. 1906, S. 18, oben Kap. 111 u. IV.