Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IX. 1911 - 5672 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 460)
- Language
- German
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368 kein Arzt vorbanden ist, so muss man annebmen, dass auch hierher, wo das Ghetto• Gelehrte ohne Zahl aufzuweisen hatte, die Medizin ihre Jünger lange vorher entsandt hatte.J In der Tat begegnen wir ihnen mindestens anderthalb Jahrhunderte früher 1). 1504 empfahl der Gnesener Erzbischof Andreas seinen aus Spanien stammenden Leibarzt Jakob Isaak, Sohn des Abraham, dem Könige Alexander2). Einer gleichen Vergünstigung erfreute sich 1523 seitens des Posener Bischofs Peter Mose Fischei, der in Krakau seine ärztliche Kunst ausübte. Der Kirchenfürst trat für den jüdischen Arzt beim Könige Sigismund I. ein. Ob Mose Fischei auch in Posen wirkte, wissen wir nicht3). Der Plutarch dieses Arztes 4) hat ein phantasievolles Bild. von ihm gezeichnet. ״Er siedelte in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts infolge religiöser Verfolgungen aus Deutschland nach Posen über, wo er seine Praxis als gewandter Arzt begann. Er zeichnete sich durch grosses medizinisches Wissen aus und hat mehrere Abhandlungen über die Heilung von Augenkrankheiten herausgegeben. Eine allseitige Bildung, Herzensgüte (er heilte nämlich arme Kranke ohne Unterschied des f) Alphonse Levy, Geschichte der Juden in Sachsen, Berlin 1901, S. 41 erwähnt einen p 01־ n i s c h - jüdischen Arzt Baruch in Dresden aus dem Jahre 1468. Ueber seine polnische Vergangenheit wird dort nichts gesagt, und sie wird in der Zeitschr. für hebr. Bibliographie, Frankfurt a. M. 1901, V13 von Porges bezweifelt. Trotzdem hält der Verfasser sie in einem Schreiben vom 29. IV. 1911 an mich aufrecht. Eine Anfrage beim Dresdener Hauptstaatsarchiv, ob Baruch nach Grosspolen, das ja Dresden am nächsten lag, zuständig sei, blieb resultatlos. Herr Rabbiner Dr. Stein- Dresden teilt mir mit, dass dieselben Angaben über Baruch sich auch in Emil Lehmanns gesammelten Schriften in seinem Aufsatze über den polnischen Residenten Berend Lehmann finden. * 2) Die Urkunde hierüber (aus der Warschauer Kronmetrik) ist bei Bersohn, Tobiasz Kohn, Krakau 1872, S. 41 und bei demselben, Dyplomataryusz dotyczacy zydöw w dawney Polsce, Warschau 1910 (11), S. 25 sowie in Berschadskis russisch-hebräischem Archiv III, Petersburg 1903, S. 48 f. veröffentlicht; vgl. das. S. 64, 88f.. 92 f., und Jew. Encycl. VI 622. Nach Wetstein, הרופאים ראשזגים בקראקא in der Wochenschrift 1907 המצפה, IV Nr. 33 S. 6 ist er wahrscheinlich mit dem bereits 1492 tätigen königlichen Leibarzt Isaak identisch, der 1520 in Lemberg lebte. 3) Bersohn, Tobiasz Kohn S. 45, Dyplomataryusz S. 243. 4) Bersohn, Slownik biograficzny uczonnych zydöw Polskich, Warschau* 1906, S. 26 f.