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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1912-01-01 · IX. 1911 - 5672 (1912) · page 198

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IX. 1911 - 5672 (1912)
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 198)
Language
German
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IRI
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106 deren Nichtbeachtung der Mann bestraft wurde1), die Ehe blieb jedoch gültig, wenn auch die Verabredung nicht stattfand. Dieser Verabredung folgt die Verlobung, die nach dem biblisch-talmudischen Eherechte in gewissen Beziehungen den Beginn der Ehe selbst bildet, so z. B. ist die Auflösung des Verlöbnisses an dieselben Bedingungen geknüpft wie die Auflösung der Ehe; jedoch zieht die Verlobung keine civilrechtlichen Folgen nach sich, denn der Mann erwirbt die Rechte am Vermögen der Frau und alles, was damit zusammenhägt, mit der Verlobung noch nicht. Die Verlobung wird durch eine Willensäusserung, die sich ans Wort und Handlung zusammensetzt, eingegangen. So kann dieser Akt auf dreierlei Weise vollzogen werden: a) Durch Uebergabe eines Wertgegenstandes oder Geld im Mindestbetrage einer Peruta, d. i. der achte Teil eines italienischen As oder Pfennig2 3). Diese Uebergabe kann nicht als Kauf betrachtet werden, was schon bei der geringen Summe nicht niöglich ist und übrigens auch dem Geiste des jüdischen Eherechts widerspräche. b) Durch Ueberreichung einer das Verlöbnis enthalteüden Urkunde, zu welcher Philo bemerkt: ״Gleiche Kraft wie die Ehe- Schliessung hat der Verlobungsvertrag, der die Namen des Mannes and der Frau enthält und was sonst für die Ehe von Belang ist3 ״). c) Durch Concubitus, welche Art schon früh als ein Verstoss gegen die guten Sitten verpönt und mit körperlicher Züchtigung bestraft wurde4). Die Verlobung führt den Namen ״ קידושיןAnheiligung״, denn die Frau wird durch die Ehe für jedermann, ausser ihrem Gatten, 1) Jer. Kid. III, 10 (64 b 73 f.), Kid. 12 b דב מנגיד ....... על דמקדש בלא שתכי, s. L. Lichtschein, Die Ehe nach mos.-talm. Auffassung, Leipzig 1879, S. . 17,. 2) Vgl. J. Hildesheimer, Abhandlung über jüdisch-rituelle Maasse und Geldwerte, im Bericht der öffentl. Rabbinats-Schule zu Eisenstadt, Prag 1868 S. 12 f. 1 Peruta 0.432 Pf. und 0.36 Heller Öe. W. 3) Philo, lieber die Einzelgesetze III, § 72 nach der Uebersetzung von J. Heinemann in L. Cohn, Philo, II, Breslau 1911, S. 205, s. auch Philo ib. I, § 107 in der Uebersetzung S. 41. 4) Kid. I,* 1 (2 a) und 12 b, vgl. Z. Frankel, Grundlinien des mos-talm. Eherechts, Breslau 1860, S. XXV und S. Buchholz, Die Familie in rechtlicher und moralischer Beziehung nach mos.-talm. Lehre, S. 44.

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