Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 562)
- Language
- German
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444 auch bei Heymann sein Landsmann aus Graetz Pfandleihgeschäfte neben seinem Hauptberuf als Schochet und Kleinkinderlehrer1). Von Greifenhagen kehrt Wasserzug noch ärmer in seine Heimat zuruck als er von dort fortgegangen war. Durch den Verkauf eines seiner Häuser hält er sich über Wasser. Dann wird er in Kurnik bei Posen als Schochet und gleichzeitig als Neeman der Gemeinde angestellt und führt als solcher das Amt einer Art von Syndikus. Da er der einzige in der Stadt ist, der außer hebräisch auch deutsch und polnisch spricht und schreibt, so wird er bei der Teilung Polens, durch die Kurnik 1793 preußisch wird, der Vertrauensmann der preußischen Akzise und zugleich der jüdischen Gemeinde. Die Stadt Kurnik hatte damals eine verhältnismässig sehr bedeutende jüdische Be* völkerung. Noch im Jahre 1817 gab es dort unter 1809 Einwohnern 774 Juden (d. h. 42*8 °/0), während heute nur noch 100 Juden (4°/0 der Bevölkerung) dort wohnen. Die Gemeinde war reich, und wie die Holzsynagoge zeigt, fand dort die Kunst eine Stätte. Nun war er wieder in seiner Heimat, in einer Gegend, wo nicht wie in Pommern Gemeinden von 15 Haushaltungen zu den mittleren Gemeinden zählten. Die Stadt Kurnik nennt er stets mit jüdischer Aussprache Kornik. Ebenso schreibt er zumeist Koriin statt Körlin♦ Die Posenschen Juden hatten für die Städte und Städtchen in ihrem Bezirke besondere Namen, die von den polnischen und deutschen Benennungen abweichen. So heißt die Vaterstadt Mosche Wasserzugs Schokken bei den Juden Skok, während die Heimatstadt seiner Mutter Wronke, die den polnischen Namen Wronki führt, von den Juden Wronek genannt wird. Von andern Städten, die in unserm Büchlein erwähnt werden, heißt Posen ״Posnaa, Obornik ״Oibernik“, Chodziesen, das heutige Kolmar in Posen, ebenso wie bei Heymann, ״Chadseisch“2), Graetz ״Greiditz“, Schroda ״Schreid“. Diese Namen werden heute noch von alten Leuten gebraucht, von dem jüngeren Geschlecht nur mit einem spöttischen Nebensinn, um das kleinstädtische und jüdische Ghettomilieu als etwas Überwundenes und in der Kultur Zurückgebliebenes zu bezeichnen. 1) Heymann a. a. O. S. 66. 2) Ebenda S. 52: ״Chaseisch*.