Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 558)
- Language
- German
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Memoiren eines polnischen Juden* *). Von Heinrich Loewe. Die jüdische Memoirenliteratur ist nur dünn gesät. Aus etwas früherer Zeit hat das durch David Kaufmann veröffentlichte Werk der Glückei von Hameln sich als ״das“ Memoirenwerk äurcbgesetzt. In jüngster Zeit sind zwei Werke veröffentlicht worden, von denen das eine, Pauline Wengeroffs ״Memoiren einer Großmutter“, einer noch wirkenden Verfasserin angehört, während die ״Lebenserinnerungen“ A. H. Heymanns, der seit einem Menschenalter nicht mehr unter den Lebenden weilt, im Aufträge seiner Kinder und Enkel im Druck erschienen sind1). Heymanns Erinnerungen beginnen mit dem aufsteigenden neunzehnten Jahrhundert und enden kurz vor seinem Tode, der im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts erfolgte. Der erste Teil führt uns in die märkische Kleinstadt, und die Jugenderinnerungen, die der alte Mann mit seltener Frische und köstlichem Humor aufleben lässt, geben uns reizende Genrebilder aus der ganz kleinen Gemeinde um die Wende der Jahrhunderte. Mit ihnen berühren sich zeitlich die Memoiren, die ein polnischer Jude Beb Mosche benJisrael IsserlWasserzug in einem kleinen Heftchen hinterlassen hat, das hier zum ersten Male gedruckt vorliegt. Der Verfasser dürfte etwa um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts geboren sein und ist nicht vor dem Jahre 1818 gestorben. In seiner zahlreichen Nachkommenschaft ist er noch nicht vergessen, und sie erzählen mit einem gewissen Stolz von dem Urgroßvater und Ururgroßvater, der aus Schokken in der jetzigen Provinz *) Siehe hebräische Abteilung S. 87—114. *) A. H. H eym a n n: Lefcenserinnerungen. Nach seiner Niederschrift herausgegeben von Heinrich Loewe, Berlin 1909.