Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 409)
- Language
- German
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Das Buch Koheleth. Ein Vortrag. Von Rabbiner Dr. Salomon Stetn-Schweinfurt. ״Habent sua fata libelli“ lautet ein lateinisches Wort Zameist gilt dieses Wort von der Tatsache, dass Bacher nicht selten Wanderungen durch die Zeiten und Länder antreten, oftmals Jahrhunderte, ja Jahrtausende verschwinden und dann plötzlich der erstaunten Welt sich als wahre Wunder präsentieren. In vielen Fällen verdanken dieselben ganz zufälligen Umständen ihre Erbaltung. Bei dem Buch Koheleth hat das Wort einen ganz anderen Sinn. Es hat zu allen Zeiten eine ganz verschiedene Beurteilung hinsichtlich seines Inhalts gefunden. Die Auffassung seines Inhalts zeitigte geradezu einander sich ausschliessende Gegensätze. Wir können uns kaum grössere Gegensätze denken als Optimismus und Pessimismus. Diese beiden Anschauungen sind bekanntlich der Ausdruck von Werturteilen hinsichtlich der Welt und ihres Charakters, hinsichtlich des Lebens und seines Inhaltes. Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. Alles, was geschieht, hat seinen Grund und seinen weisen Zweck. Die Welt wird beherrscht von grossen Gesetzen und dient erhabenen Zwecken. Das Leben ist ein herrliches Gut, eine sinnvolle Erscheinung. Die Welt als Ganzes ist die best denkbare Welt. So lehrt der Optimismus. Er gibt damit die Auffassung der heiligen Schrift wieder, die uns mitteilt, dass die Gottheit selber ihre Befriedigung über jede einzelne ihrer Schöpfungen ausgesprochen und sie für gut, bezw. sehr gut erklärt habe. Dem gegenüber behauptet der Pessimismus, da*s Welt und Leben gar nicht schlechter sein könnten, als sie tatsächlich siacL