Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VIII. 1910 - 5671 (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 120)
- Language
- German
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Sprachliches und Sachliches aus dem Talmuds Von Rabbiner Dr. H. Ehrentreu in München. XXIX. Im Jahrbuch IV S. 150—153 wurde darauf hingewiesen, dass die Mischnasprache viele Aramäismen enthält, indem viele ihrer Ausdrücke dem Aramäischen entlehnt sind und in ein aramäisches Sprachgewand gekleidet wurden. Es entstanden dadurch neue Bildungen, die beim Leben der Sprache unbekannt waren. Diese Tatsache war natürlich auch den Talmudlehrern bekannt und an Beweisen hierfür fehlt es nicht. Ein besonderes instruktives Beispiel wollen wir zunächst anführen. Die Anfangsworte der ersten Mischna von B. Batbra: השותפין שרצו לעשות מחיצה werden dort eingehend erörtert. מחיצה heisst ja gewöhnlich ״Scheidewand“ und so möchte man es auch hier übersetzen. Der Talmud erhebt dagegen sprachliche und sachliche Einwendungen. מחיצה kann aber auch ״Teilung“ oder ״Halbierung“ heissen und der Sinn des Satzes wäre dann, dass die beiden Besitzer eine ״Teilung“ vornehmen wollen. Dagegen wird aber dort geltend gemacht, dass es in diesem Falle שרצו לחצות heissen müsste. Eine Teilung ״machen“ — לעשות מחיצה — das klingt im Hebräischen fremdartig, denn das Verbum עשה wird nur in konkretem Sinne gebraucht und passt nicht gut auf einen Vorgang, bei dem nichts geschaffen und nichts hergestellt wird. Man sagt wohl עשה משפט וצדקה, aber auch da verbindet man damit in Gedanken eine konkrete Leistung, die den Grundsätzen von משפט וצדקה entspricht. Im Hebräischen, in der Sprache der Bibel, *) Vgl. Jahrbuch IV S. 141-168 und VI S. 55—104. Jahrbuch J. L. Gr. VIII. 1