Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 385)
- Language
- German
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S57 Was aber in erster Linie gegen diese Verunglimpfongen spricht, ist der Umstand, dass sich das Gaonat in seiner Zeit allgemein hoher Wertschätzung, und Achtung erfreut hat. Wir sehen, welch bedeutsame Stellung das Gaonat und die mit ihm Terbundenen Schulen eingenommen haben, was doch gewiss nicht derFall gewesen wäre, wenn die Leiter des Gaonats in moralischer Hinsicht Angriffsflächen geboten haben würden. Wir sehen, wie die Geonim, gestützt auf das Volk, den Übergriffen der weltlichen Centralbehörde, des Exilarchats, ohne Schreck entgegentraten, zu welchen Kämpfen sich späterhin auch der Kampf wider die Karäer gesellte. Auch diesen Gegnern konnten die Geonim nur dadurch mit Erfolg entgegentreten, dass sie einen Rückhalt im Volke hatten. Und ebenso wäre es ihnen auch nicht möglich gewesen, in den ihnen zugewiesenen Sprengeln die Gerichtsbarkeit auszuüben und dies in einer Weise, dass man diesem ihrem Wirkungszweige von allen Seiten das grösste Vertrauen entgegenbrachte. Wie traurig und wie kläglich nehmen sich neben diesen Männern, die nichts für sich und alles für die Allgemeinheit wollten und taten, diese Angriffe aus, die von Seiten der ״modernen jüdischen Historiographie“ gegen sie geschleudert wurden. Was aber diese Angriffe geradezu frivol erscheinen lässt, ist der Umstand, dass sie, bar jeder historischen Grundlage, auf blossen Vermutungen und Hypothesen beruhen. geht hervor, dass sich die Geonim nicht scheuten, auf eine an sie ergangene Frage mit den Worten zu antworten: ״ דבי זה?*א שמענוdarüber haben wir keine bestimmte Tradition“, weshalb wir in der Angelegenheit keine Entscheidung treffen können. Sie bestanden ferner nicht auf den von Geonim eingeführten מנהגים, betonten vielmehr auf diesbezügliche Anfragen ausdrücklich, dass die Fragesteller, falls sie von früher einen gegenteiligen מגד.נ hätten, bei demselben verharren mögen. Wenn nun der weitere Vorwurf gegen sie erhoben wird, dass sie absichtlich den Jeruschalmi totgeschwiegen hätten, so findet dieser Vorwurf in den תשובות die deutlichste Widerlegung. Aus diesen geht hervor, dass die Geonim in ihren Entscheidungen den ירושלמי nicht nur erwähnen, sondern sich auch in vielen Fällen nach ihm richten (siehe besonders זברק לראשונים, edit. Harkavy סי׳ ת?*׳ו). Dies alles sind Momente, die aus dem Jeruschalmi deutlich hervorgehen, woraus man ersehen kann, wessen man sich in der Darstellung der Jüdischen Traditionsgeschichte von den neueren Historikern zu versehen hat.