Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 352)
- Language
- German
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Beiträge zur Geographie des Landes Babel. Von Rabbiner Dr. S. Funk in Boskowitz. Zu den Lichtseiten unserer Zeit wird der künftige Historiker auch den schrankenlosen Forscherdrang zählen müssen, der in kühnem Siegeszuge die Grenzen, die ihm Zeit und Natur bisher zu setzen schienen, immer weiter und weiter hinausschiebt. Unentwegt schreitet er fort, über Eismauern im Norden, unter der glühenden Sonne des Südens, er schwingt sich zur Höhe der entferntesten Sterne empor und dringt in die Tiefe der mächtigen Volksgräber, welche dahinziehende Jahrtausende über erstorbene Culturen aufgetürmt haben. Als wollte man das in Jahrtausenden Versäumte in Jahrzehnten nachholen, wurde in letzterer Zeit eine geradezu fieberhafte Tätigkeit entwickelt, um unseren Gesichtskreis räumlich und zeitlich zu erweitern. Staaten und Akademieen, Gecsellschaften und Private wetteiferten in dem Bestreben, uralte Culturzentren blosszulegen, verborgene Denkmäler zu Tage zu fördern, die Kenntnis der altersgrauen Urkunden zu erschliessen. Nach Rom und Hellas kommen die Völker des Ostens an die Reihe: Egypten, Assyrien und Babylonien. Durch die Erschliessung der gefundenen babylonisch-assyrischen Denkmäler wurde die Weltgeschickte um Jahrtausende erweitert und wir kennen heute das Babel Hammurabis, wie etwa das Rom zur Zeit des Augustus. Durch das rege Interesse, das man den Ländern am Euphrat und Tigris zugekehrt, wurde man auch auf die talmudischen Schriftdenkmäler aufmerksam, die, abseits von der begangenen Heerstrasse der Forschung gelegen, bisher nur als Quellen religiöser Belehrung gedient hatten und im übrigen von den Gelehrten unbeachtet geblieben waren. Zunächst auf den babylonischen Talmud, der, in Babylonien entstanden, darum wie kein anderes Schriftwerk geeignet ist, über geographische und kulturelle Verhältnisse dieses