Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VI. 1908 - 5669 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 131)
- Language
- German
- Belongs to
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ioä ס ו ת מ •> פ ין נ ז ר ל א Ausserordentlich überrascht war ich, als ich vor einigen Jahren las, dass ßembrandt auf seinem Gemälde ,.Mene Tekel“ die Flammeninschrift genau in dieser Form angebracht hat. Man hat das als ein besonderes Kuriosum bezeichnet und darin den Beweis erblicken wollen, dass der berühmte holländische Maler damals noch nicht mit Juden verkehrte, da diese ihn doch wohl auf seinen Irrtum aufmerksam gemacht hätten1). Mir ist es unerfindlich, wie man auf einen solchen Gedanken kommen kann. איפכא מסתברא! Einen schlagenderen Beweis, dass er bei der Herstellung dieses Gemäldes von Juden, und zwar von rabbinisch gebildeten Juden, beraten war, kann man sich gar nicht denken. Wer hebräisch schreiben oder hebräische Buchstaben malen kann, der muss wissen, dass man im Hebräischen nicht nach chinesischer Manier von oben nach unten, sondern von rechts nach links liest. Wenn nun ßembrandt die Inschrift in dieser Form gruppierte, so kann er es nur auf Grund unserer Talmudstelle getan haben, mit der ihn ein jüdischer Gelehrter bekannt machte. Wir brauchen auch nicht weit zu suchen und es lässt sich mit Leichtigkeit feststellen, wer dieser jüdische Gelehrte war. Das Gemälde wird datiert: 1685/36. Aus demselben Jahre, 1685, stammt seine ßadierung des bekannten Porträts von dem berühmten Amsterdamer ßabbiner Menasse ben Israel, der mit ihm in derselben Strasse wohnte. Da werden wir sicherlich nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, dass dieser berühmte Mann ihm bei der Komposition des Bildes seine Ratschläge erteilte, nach denen der geniale Künstler sich gerichtet hat2). Bei der bekannten Neigung Menasses zur Mystik wird es erst recht einleuchtend, dass er dieser Form der Buchstaben- Verteilung, die auch in der Kabbala eine grosse Rolle spielt, den Vorzug gegeben hat. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, ') Vgl. Israelitische Monatsschrift, Beilage zur ״Jüdischen Presse“ 1906, Nr. 4. 2) Nachträglich fand ich, dass auch מכלל יזפי zu Daniel die Flammenschrift so darstellt, dass sie senkrecht zu lesen ist