Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 420)
- Language
- German
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366 zu Händen kam, legte er nicht früher fort, bis er sich seinen Inhalt ganz oder teilweise zum geistigen Eigentum gemacht hatte. Während einer Krankheit, in die der zarte Knabe einst verfiel, konnte man ihn durch nichts anderes, als durch ein neues Buch, das ihm jedesmal gegeben werden muste, bewegen, die verordnete Arznei zu nehmen. Dies erklärt uns die spätere Bibliophilie Halberstams, die mit den zunehmenden Jahren und dem erweiterten Kreis seiner Studien ihn eine Bibliothek begründen י688ע für welche heute, was Handschriften betrifft, nur noch die Sammlung des Barons Günzburg in Petersburg, (später auch die Abraham Merzbachers in München) in Vergleich gezogen werden kann. Halberstam will aber die reichhaltige Sammlung, die er vor zwanzig Jahren gewonnen, und seither durch zahlreiche Ankäufe, besonders aus der von Luzatto hinterlassenen Bibliothek, zu vermehren stets bedacht war, für die Wissenschaft nutzbar machen. Wenn die Arbeiten anderer durch Mitteilungen aus seinen Handschriften oder durch direkte Benutzung derselben gefördert werden, so mehrt es ihm die Freude, die er über seinen Besitz empfindet. Bei der bekannten Liberalität Halberstams hat ein jeder, der sich an ihn wendet, auf bereitwilliges Entgegenkommen zu rechnen.“ Seitdem diese Zeilen geschrieben wurden, sind zwanzig Jahre verstrichen, und des Entschlafenen lieben und Leisten hat während dieser Zeit jenes Urteil noch mehr bewahrheitet und dessen Berechtigung noch weiteren Kreisen zur Erkenntnis gebracht. Halberstams wohlbegründeter Ruhm als Gelehrter und Forscher, als Pfadfinder und Pfadweiser wird erhöht durch den Vorzug, dass er trotz seines immensen Wissens, trotz der von allen Seiten ihm gezollten Anerkennung den Charakter schlichter Bescheidenheit sich bewahrt und — wie mit besonderem Nachdruck betont sei — trotz seines Verkehrs mit Gelehrten völlig entgegengesetzter Richtung, den Standpunkt des traditionellen Judentums in unerschütterlicher Treue festgehalten hat. Was er selbst gelernt und geforscht, das hat er zum Teil in den eigenen Werken niedergelegt, aber ganz besonders in dem hervorragenden Anteil gezeigt, den er an der Förderung der durch den früheren, wie durch den gegenwärtigen Mekize-Nirdamim-Verein herausgegebepen Schriften offenbart. Noch vor wenigen Wochen