Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 322)
- Language
- German
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250 Traditionskette uns hier nur die Reihenfolge der Patriarchen auf־ zählen wolle. An der Spitze von Aboth steht ja deutlich משד. קבל תורה מסע* ,,Mosche hat die Thora vom Sinai empfangen“. Was hat dieses mit dem Antritt des Fürstentums oder Patriarchats zu tun? Es ist klar und deutlich, dass uns im ersten Kapitel von Aboth die ununterbrochene Reihe von Lehrern und Schülern genannt werden soll, die lückenlos bis zu den אנשי כנסת הגדולה, den Männern der grossen Synagoge, hinauffübrt. Auch die neunte Mischna des zweiten Kapitels von Aboth lässt es als unmöglich erscheinen, den Ausdruck קבל auf die Uebernahme des Patriarchats zu deuten. Heisst es doch dort; *ר׳ יוחנן בן זנאי קבל מהלל ומשמא ״R Jochanan ben Sakkai empfing von Hillel und Schammai“, und dabei steht es fest, dass R. Jochanan ben Sakkai erst kurz vor der Tempelzerstörung sein Patriarchat angetreten hat und zwischen ihm und Hillel dessen Sohn, Enkel und Urenkel, Simon, Gamliel und Simon, das Patriarchat bekleideten. R. Jochanan b. Sakkai war Schüler Hillels, die Thora hat er von ihm empfangen, nicht aber das Patriarchat. Dieses hat er erst übernommen, als Hillels Urenkel während der Belagerung Jerusalems den Tod gefunden hatte und seinen Sohn, den späteren Rabbon Gamliel von Jabne, als unmündiges Kind zuriickliess. Zur Entschuldigung für Frankel und Krochmal wird man dar־ auf verweisen, dass schwer anzunehmen sei, dass zwischen der Ermordung Jose b. Joesers durch Alkimos im Jahre 152 aer. Sei. (3600 aer. mund.) und dem Regierungsantritt Hillels 280 aer. Sei. (3728 aer. mund.) nur drei Geschlechter, Josua b. Perachja, Simon b. Schetach und Schemaja mit Abtalion liegen sollen, und erklären, dieses Unwahrscheinliche und Beispiellose habe sie zu ihrer haltlosen Erklärung veranlasst, wobei dann für Krochmal noch mehr spreche, dass er um 100 Jahre weiter zurückblickt und deshalb statt in 130 Jahren drei, nach seiner Auffassung in 230 Jahren fünf Geschlechter nicht gut unterbringen kann. Wo bleibt denn aber hier auch nur eine Seltsamkeit, wenn wir die Mischna so auffassen, wie sie allein zu verstehen ist und stets erklärt wurde, dass die Gelehrtenpaare uns eine ununterbrochene Reihe von Lehrern und Schülern zeigen sollen? Was ist denn daran merkwürdig, dass die Schüler den Lehrer um 40 oder gar 50 Jahre überleben? War der Schüler beim Tode des Meisters zwanzig Jahre alt. so