Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 215)
- Language
- German
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143 Dieses Verzeichnis deutscher Landschaften und Städte ist ein weiterer Beweis für die mehrfach aufgestellte Behauptung, dass Oberdeutschland einen wesentlichen Anteil an der Besiedelung Polens mit jüdischen Elementen im vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert nahm. Dort hatte der grösste Teil der jüdischen Bevölkerung seinen Sitz, dort war der Mittelpunkt ihres geistigen Lebens Darum trug auch die deutsche Sprache der polnischen Juden ״zum grössten Teile oberdeutsche Färbung und Eigentümlichkeit“. Der historische Kern der zu Anfang dieser Abhandlung erwähnten Sage über die Einwanderungen aus Worms und einer solchen vom Jahre 894 kann auch nur der sein, dass das obere Deutschland als das Mutterland bezeichnet werden soll. Dem reiht sich passend eine aus Inowrazlaw (Hohensalza) berichtete Familiensage an, die erzählt, dass dort Elsässer Juden sich niedergelassen und die Benutzung von Türschlössern, die bisher dort unbekannt gewesen seien, eingeführt hätten. Es ist bereits gesagt worden, dass Grabsteine mit Inschriften in Relief sich im vierzehnten Jahrhundert in Worms linden. Dieser süddeutschen Sitte folgten zu polnischer Zeit auch Juden in Kempen, Kalis c h und Lublin1). Ein als zuverlässig bezeichneter Reisender des sechzehnten Jahrhunderts beziffert die Anzahl der Juden in Polen auf zwei Millionen. Ein Zeitgenosse christlichen Bekenntnisses sagt über Krakau: ״Hier haben die Juden die berühmteste Akademie von ganz Europa, wohin eine grosse Zahl aus Italien, T e u t s c h - 1 a n d , Mähren und Schlesien zu strömen pflegt, nicht nur um den Wissenschaften obzuliegen, sondern auch höhere Grade der Ehre, wie sie bei ihnen im Gebrauche sind, zu erreichen“2). Von den deutschen Juden des dreizehnten, vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts wird gerühmt, dass ״die Tradition Deutschlands, das fromm ist, die vorzüglichere ist, denn die Gottcslehre ist ihnen ein Erbe von ihren Vätern“ 3). Seit dem ף Güdemann a. a. O. S. 204 ff., Heppner-Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden in Hohensalza, Koschmin 1907, S. 00. שארית ישראל a. a. O. S 65a erzählt, dass Herzog Boleslaus von Lithauen im Jahre 1207 die Juden in sein Land aufgenommen und ihnen Privilegien erteilt habe. ־) Ersch und Gruber a. a. O. S. 135. תשובות דורא״ש 4'־ nach 2?תשלבות מהרי״ Nr. 95.