Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 144)
- Language
- German
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72 Westens auf ihre Glaubensgenossen in Holland. Galten die Portugiesen bei ihrer Ansiedlung als Halbkatholiken, so wurden sie jetzt als wirkliche Juden anerkannt, bei denen neben weltmännischer Bildung auch das Talmudstudium zu Hause war. Eine hervorragende rabbinische Autorität war in der letzten Zeit Isaac Aboab, der 70 Jahre seines Amtes waltete und vor dem im Jahre 1693 erfolgten Tod seineiLerbittertsten Gegner I. Sas־ portas zu seinem Nachfolger bestimmte 1). Auch der materielle Wohlstand hatte seinen Höhepunkt erreicht. Die Handelshäuser der Juden gaben ein bedeutend besseres Bild von dem Reichtum der Republik als die Holländer selbst2). Dass sie aber infolge des Reichtums und des Luxus nicht wieder dem Auflösungsprozess verfielen wie in Spanien und Portugal, dafür sorgten teils die Vertreter der Gemeinde, teils die einzelnen Verordnungen der Behörden, durch die eine nähere Berührung mit der einheimischen Bevölkerung vermieden wurde. Durch die strenge Abgeschiedenheit blieben sie vor einer Vermischung bewahrt; nur die Leydener Professoren, die eine Bekehrung wünschten, verlangten einen besseren Schutz für die Juden, denn mit Wohltaten hofften sie die& für das Christentum zu gewinnen3). Allein die Portugiesen hatten von ihren Verfolgungen gelernt; sie wussten, welche traurige Folgen ein solcher Schritt nach sich ziehen würde. Mit bewunderungswürdiger Ausdauer verteidigten sie ihren religiösen Standpunkt gegenüber den christlichen Gelehrten, die mit ihnen in engere Verbindung traten, um von ihnen Hebräisch zu lernen oder sie zu bekehren. Während Holland einen so gewaltigen Aufschwung genommen hatte und mit den Kapitalien der Portugiesen seinen Handel nach allen Richtungen ausdehnte, war man in Portugal noch immer mit der Verurteilung von Ketzern beschäftigt 4). Die anderen Staaten ahmten indessen Hollands Beispiel nach, indem sie ebenfalls den Juden ihre Tore öffneten oder, wo sie schon längst Duldung gefunden hatten, für eine weitere Besserung ihrer Lage sorgten. r) Israel. Letterbode 1875 No. 1. ף Depping, die Juden im Mittelalter S. 408. 3) Nederlandsche Stemmen IV. p. 48. 4) Resolution v. Holland 24. November 1703.