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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 126

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 126)
Language
German
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Den Gegensatz zwischen Religion und Philosophie, Glauben und Wissen haben wohl die Religionsphilosophen des Mittelalters zu überbrücken versucht, aber ihre vermittelnden Ansichten befriedigten Spinoza nicht und es erwachten in ihm allmählich religiöse Zweifel. Zu Lebzeiten seines Vaters besuchte er die Synagoge und hielt am Religionsgesetz fest. Allein nach dem Tode seines Vaters (1654) ging eine vollständige Wandlung mit ihm vor. Kaum war das Trauerjahr vorüber, da erfolgte der Bruch mit seinen Glaubensgenossen. Schon früh hatten die Vertreter der Gemeinde Misstrauen gegen den Verkehr Spinozas mit dem als Freigeist verschrieenen van der Ende gehegt, aber solange es bei Worten und Meinungen blieb, schritten sie nicht ein. Als er sich jedoch über die religionsgesetzlichen Vorschriften hinwegsetzte, den Besuch der Synagoge einstellte, mehr in Gesellschaft von Christen als Juden sich zeigte und gar zwei Zeugen, vor denen er religionswidrige Aeusserungen getan haben sollte, mit einer Anklage gegen ihn hervortraten, konnten die Rabbiner nicht mehr untätig zuschauen. Mit Recht fürchteten sie, dass das Beispiel Spinozas für die jungen Leute eine Gefahr bilden könnte und sein Uebertritt zum Christentume der Gemeinde zum grossen Nachteil gereichen würde. Die Rabbiner behandelten ihn deswegen nicht allzu streng, denn sie hofften, durch Drohungen und Ermahnungen den jugendlichen Abtrünnigen wieder für das Judentum zu gewinnen. Mit Uriel Acosta hatte man leichter fertig werden können, denn jener war ein Fremder, der die bestehenden Zustände umstürzen wollte; aber Spinoza war ein Kind der Gemeinde; nicht gern wollte man den talentvollen Jüngling preisgeben. Da jedoch alle Bemühungen keine Besserung herbeiführten, versprach man ihm ein bestimmtes Jahrgeld, falls er wie ehedem der Gemein- Schaft angehören wollte. Spinoza wies das Anerbieten zurück; er schenkte den Ermahnungen der Rabbiner keine Beachtung, sodass diese strengere Massregeln ergreifen mussten. Sie schritten daher zur Verhängung des Bannes. Spinoza wurde vor das Rabbinats-Collegium geladen, wo man ihm die Uebertretung der Religionsvorschriften vorwarf. Er gab ohne weiteres zu, die Sünden begangen zu haben, zeigte aber keine Neigung, von seinen Ge• wobnheiten abzulassen oder seine Gesinnung zu ändern. Die Rabbiner bestraften ihn deshalb zunächst mit dem kleinen Bann

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