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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 125

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 125)
Language
German
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53 Stadtteil wurde am 24. November 1632 Baruch Spinoza geboren. Sein Vater Michael gehörte nicht zu den Wohlhabenden, aber als strenggläubiger Jude und rechtschaffener Kaufmann nahm er unter seinen Glaubensgenossen eine geachtete Stellung ein. Wie die anderen Kinder der Gemeindemitglieder besuchte auch der junge Baruch die im Jahre 1639 errichtete Schule ״Keter Thora“, an der neben anderen berühmten Lehrkräften Menasse Ben Israel und Saul Levi Morteira den Unterricht erteilten. In dieser Lehr־ anstalt lernte Spinoza die hebräische Spräche, die Bibel, die Propheten, den Talmud und die Geschichte seines Volkes. Spinoza zeichnete sich früh durch bewundernswerten Scharfsinn aus; oft soll er seinen Lehrer Morteira durch seine Fragestellung in Erstaunen versetzt haben. Man glaubte, in ihm den zukünftigen Chacham zu finden, der infolge seiner vorzüglichen Geistesanlagen geeignet schien, das von allen Seiten angefeindete Judentum zu verteidigen. Aufmerksam verfolgte man in der Schule die geistige Entwickelung des jungen Baruch; denn nach Beendigung seiner Schulzeit (um 1650) bereitete sich Spinoza tatsächlich einige Jahre für den ״Beruf eines Chacham vor. Er vertiefte sich in den Talmud, beschäftigte sich mit der Beligionsphilosophie des Mittelalters und mit der Kabbala1). Sein Vater hatte ihn freilich zum Kaufmanne bestimmt, jedoch seinen Fähigkeiten entsprechend wählte der junge Spinoza den Beruf eines Babbiners. Neben der Beschäftigung mit der rabbinisehen Literatur war er fleissig bemüht, auch in den profanen Wissenschaften Kenntnisse zu erwerben. Bei dem Humanisten van der Ende, der 1652 in Amsterdam eine Schule errichtet hatte, lernte er die klassischen Sprachen, insbesondere das Lateinische, die Naturwissenschaften und Philosophie; Mathematik soll er von einem Fremden gelernt haben. Von der Philosophie des Altertums und der Scholastik ging er zum Studium der neuen Philosophie über. Vornehmlich fühlte er sich von Descartes angezogen, dessen Lehre um die Mitte des 17. Jahrhunderts die holländischen Universitäten beherrschte. Wie es scheint, hat ihn van der Ende, der als Anhänger des französischen Philosophen galt, in die eartesianische Philosophie eingeführt 2) י) Freudenthal, Spinoza I, 33. 8) Ibid. 47.

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