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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 124

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 124)
Language
German
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52 Vaterlande endgültig den Rücken zu kehren. Nach vorübergehendem Aufenthalt in Toulouse wunderte er nach Amsterdam, wo er sich der Gemeinde seiner Schicksalsgenossen anschloss. Durch sein gründliches Wissen erwarb sich de Castro die Anerkennung vieler Gelehrten. Sehr bezeichnend für ihn ist es, dass er mit Spinoza auch nach dessen Bruch mit der portugiesischen Gemeinde in brieflichem Verkehr stand1). Seine vielseitigen Kenntnisse sicherten ihm einen bedeutenden Einfluss auf seine Glaubensgenossen 2). Dies sind die Männer, die innerhalb ihres Wirkungskreises neben den Rabbinern und Vorstehern für das Gedeihen des Gemeinwesens und die Sicherstellung ihrer Brüder eifrig bemüht waren. Sie erschienen als würdige Vertreter der Amsterdamer Juden; mit ihren Namen ist das Wohl und Weh der portugiesischen Gemeinde innig verknüpft. Aber neben diesen glanzvollen Erscheinungen entfaltete noch eine ganze Reihe anderer Männer segensreiche Tätigkeit; alle arbeiteten für das Wohl der Gesamtheit und in diesem Streben fanden die Portugiesen volle Befriedigung ihres Ehrgeizes. Damals hatte die Amsterdamer Gemeinde ihren Höhepunkt erreicht; alles befand sich in einem geordneten Zustande. Aus dem Gefühl der Sicherheit wurden jedoch die Juden urplötzlich aufgeschreckt, als ein neuer Sturm die Grundfesten ihrer Gemeinde zu erschüttern drohte. Es war dieses Mal kein Fremder, der infolge seiner Enttäuschungen wütend losschlug; es war vielmehr einer aus ihrer eigenen Mitte, der ihre Leidensgeschichte genau kannte und dessen Angriffe sie daher umso schmerzlicher verwundeten. Dieser Gegner war Spinoza. Die Vorfahren Spinozas waren zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Amsterdam gekommen. Sie traten in die portugiesische Gemeinde ein und bekleideten wiederholt Ehrenämter. Im Osten der Stadt, wo sich die Ankömmlinge niederliessen, wohnten auch die Nachkommen der Grandenfamilie der d’Espinozas. In diesem י) Grätz, X Note 1. 2) Ph. v. Limborch, De veritate Religionis Christianae, Amico׳collatio cum Erudito Judaeo, Amst. 1687, Einleitung. De Rossi 253, Frankels Monats- Schrift XVI, 321 fg., Kayserling, Bibi. esp״port-jud. 81.

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