Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
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23 erlaubte sich manche Uebergriffe und masste sich eine Gewalt an, die ihm gar nicht zustand. Um ihrer Entscheidung die gebührende Anerkennung zu verschaffen, schritt die Regierung (1618) gegen das Willkürregiment der Dorfbehörde ein. Sie erteilte den Juden abermals das Recht, ihre Toten in Ouderkerk zu begraben, jedoch mit dem Vorbehalt, dass die Leichen ohne Ceremonien und ״in aller Stille“ bestattet würden1)• Las Entgegenkommen der obersten Behörde begriissten sie mit heller Freude, da es ihnen manche Unannehmlichkeiten ersparte und sie teilweise von einer lästigen Abgabe befreite. Bisher mussten sie nämlich jeder Kirche, an der sie die Toten vorbeiführten, eine Steuer entrichten; bis sie aber nach dem entfernten Groede gelangten, hatten sie zahlreiche Kirchen zu befriedigen2). Kurz nach der Errichtung des Begräbnisplatzes erlitt die Gemeinde durch den Tod des Samuel Palache (1616) einen unersetzlichen Verlust. Mit seinem Ableben ging eine starke Stütze den portugiesischen Juden verloren. Der Gründer der ersten Gemeinde stand bei allen in hohem Ansehen, und die Achtung, die man ihm zollte, kam bei dem feierlichen Leichenbegängnis zum Ausdruck. Nicht nur seine zahlreichen Glaubensgenossen nahmen daran teil, selbst Moritz von Oranien mit dem Adel folgten dem Leichenzuge3). Die Beteiligung der Regierung und der vornehmen Gesellschaft an dem Begräbnisse eines Juden liess einen nachhaltigen Eindruck zurück. Zwei Jahre nach dem Tode dieses Mannes erfolgte die Gründung der dritten Gemeinde. Die Bemühungen, alle Gemeinden zu vereinigen, scheiterten an dem Widerstande der mit dem Chacham Uziel unzufriedenen Elemente. Der Grund für den andauernden Zwiespalt liegt darin, dass ein grosser Teil der portugiesischen Juden zu Beginn ihres xVmsterdamer Aufenthaltes mehr zu philosophischen Studien als zur Kabbala sich hingezogen fühlten, ihr Denken mit der Religion nicht in Einklang zu bringen war und ihre Handlungsweise öfter dem Religionsgesetz widersprach, wogegen der Chacham mit allen Mitteln einznschreiten *) Resolution v. Holland 12. Mai 1618. 2) Koenen, p. 149. 3) De Barrios, Historia Universal Judajca, p. 20.