Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 454)
- Language
- German
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M i s c e 11 e n. Zur jüdischen G]h r 0 n 010 g i e. Eines der schwierigsten Probleme bietet die talmudische Chronologie der Perserkönige. Schon Asarja de Kossi (1580) hat die Frage in seinem Meor Enajim kritisch beleuchtet, ohne indes eine befriedigende Lösung zu geben. Zwar entspringt die Schwierigkeit nur einer vereinzelten Sentenz des Seder Olam von R. Jose ben Chalafta, weiche den Ächämeniden von Cyrus an nur einen Zeitraum von 40 Jahren einräumt, gegen 207 Jahre des ptolemäischen Canons. Nachdem aber R. Jose darauf die durch ihn eingeführte jüdische Zeitrechnung von Adam an gründet, welche die frühere Rechnung der Seleucidenära aus allen Dokumenten verdrängt hat, so darf kein derartiger Anachronismus an ihr haften bleiben. Der ptolemäische Canon ist nämlich durch die zeitgenössischen ägyptischen, griechischen, phönizisehen, persischen Geschichtsschreiber und, wr0 die letzteren versagen, durch die neuesten archäologischen Funde fünffach kontrolliert und sicher gestellt. Auch stimmt derselbe nicht nur mit Flavius Josephus und dessen jüdischen Geschichtsquellen, sondern auch mit dem einfachen Wortlaute der Bücher Esra und Nehemia überein. Den Widerspruch, in welchen das Seder Olam sich zu letzteren zu setzen scheint, sucht eine talmudische Erklärung dahin zu lösen, dass Cyrus, Darius und Artachschaschta nur verschiedene Titel eines und desselben Königs seien. Nun sind diese Namen in der Tat mehr Titel als Eigennamen und scheint diese Sentenz den zeitgenössischen Chroniken der zu Rabs Zeiten auf״ tretenden Sassanidendynastie entlehnt zu sein. Zum grössten Erstaunen der Historiker findet sich dieselbe in den Geschichtswerken der Sassaniden, nachdem die altpersischen Geschichtswerke durch die Arsaciden vernichtet worden waren. Aber eine