Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 420)
- Language
- German
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297 Massen. Politische und wirtschaftliche Not, Unduldsamkeit fcund Verfolgungen drückten ihnen den Wanderstab in die Hand. Gleichwie von den Deutschen christlichen Bekenntnisses gilt auch von ihnen, dass ״die trüben staatlichen Verhältnisse während der letzten Hohenstaufen und des Interregnums in Deutschland die Menschen zu vielen Tausenden in den damals noch dünn bevölkerten Osten trieben“. Die erste Nachricht über Einwanderung von Juden nach Polen verzeichnen jüdisch-deutsche Chroniken zur Zeit Wiadislaus II. (1146)1). Vas aus älterer Zeit an jüdischen Elementen vorhanden war, wiude durch die einwandernden Glaubensbrüder völlig aufgesogen und hinterliess auch nicht eine einzige Spur 2 3). Beredte Zeugen stehen für den deutschen Ursprung dieser Wanderer nach dem Osten ein. in erster Beihe ihr Idiom, das noch immer der wissenschaftlichen Erforschung harrt, trotzdem bedeutsame Bausteine zu dieser Arbeit zusammengetragen sind ä). Eine überaus reiche Litteratur hat in diesem Dialekt ihre »Sprache gefunden. ״Hier kann man die fränkische, die sckwäbisch-allemannische, die sächsisch-niederdeutsche Mundart noch deutlich genug erkennen“ 4). 1) Gumplowicz, Poczatki religii zydowskiej w Polsce, Warschau 1903, S. 43 nach )affe, Gesch. des deutschen Reiches unter Ronrad 111, 1845, 5. 109. 2) Monatsschrift *9j4 S. 581 f., 594, Callier a. a. O., Caro a. a. O. Lelewel a. a. O. 5. ö8, Zeitschrift für Geschichte und Landeskunde der Provinz Posen 111 17, Warschauer, Zeitsch. der hist. Gesellsch. für die Prov. Posen 1904 8. 9• 3) Gerzon, Die jüdisch-deutsche Sprache, eine grammatiscb-lexikal. Untersuchung ihres deutsch. Grundbestandes, Frankfurt a. M. 1902, S. 8, Luawig Frankel im Literaturblatt für germanische und romanische Philologie 1890, 1901 lieft 11, Leo Wiener, The history of yiadish literature in tne nineteenth Century, Mewyork 1899, Berliner, die muteihochdeutsche Sprache bei den Juden im )ahrbuch für jüdische Gesch. und Literatur 1698 S. 170 ff. und die das. S- 180 genannten Quellen, G. Üalman, jüd.-deutsche Volkslieder aus Galizien und Russland, 2. Ausgabe, Leipzig 1691, derselbe, ,Jüdische Melodien aus Galizien und Russland *, Leipzig. Aeusserst reichhaltiges Material ist auch in den Mitteilungen der Gesellschaft für jüd. Volkskunde, herausgegeben von M. Grunwald,!bis jetzt 22 Mefte) niedergelegt. 4) Caro a. a. O. Vgl. beispielsweise die in Grosspolen üblichen Ausdrücke ״Lekech“!Lebkuchen) mit dem in Mainz um 1420 gebrauchten לעקוך