Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 416)
- Language
- German
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Deutsche Einwanderungen in polnische Ghetti. Von Dr. Louis Lewin, Rabbiner in Kempen. ״Ein merkwürdiges Problem der jüdisch-mittelalterlichen Ueschichte“ bieten Ursprung und Werdegang der osteuropäischen .־ludenheit, und ״in Dunkel gehüllt sind die Umstände, unter denen, und die Art, wie sieh diese Einwanderung (aus Deutschland) vollzogen hat“ 1]. Die Fiühzeit jüdischer Einwanderung in Polen ist von Mythen umwoben. Die jüdische Gemeinde zu L u b 1 i n sieht ihren Gründer in Efrajim ״dem Fragenden“, einem Schüler des Tanna Rabbi Me'ir. Auf ihrem alten Friedhofe soll er auch seine letzte Ruhestätte gefunden haben2). Nicht minder legendenhaft erscheint die Mitteilung, dass der fruchtbare liturgische Dichter 11. Meir b. Isaak, der vor 1096 starb, von Worms nach Lublin gewandert sei und hier sein Grab gefunden habe3). Der Bericht über die erste Masseneinwanderung deutscher Juden in Polen ist zu einem förmlichen Epos verdichtet worden. Die deutschen Juden mussten in den sie umtosenden Kämpfen zwischen Christentum und Heidentum nach neuen Wohnsitzen Ausschau halten. Sie sandten im Jahre 893 eine Gesandtschaft an den polnischen Herzog Leszek mit der Bitte um Aufnahme in seinem Keiche. Die Glieder dieser Gesandtschaft waren Kabbi 1) Israelit 1906 No. 44 $. 2. 2) Lewenstein, bei Nissenbaum,לקורות היתדים בלובלין, Lublin 1899, S. 132. Ueber Efrajim s. Sanhedrin 39b, Baba mezia 87a, Bereschit rabba C. 48, 85. 3) Nissenbaum S. 139, Zunz, Litteraturgesch. der synagog. Poesie, Berlin 1865, S. 146.