Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 406)
- Language
- German
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Neue jüdische Geschichtsforschung und einige ihrer wichtigsten Resultate. Von Wolf Jawltz in Berlin, Es gibt zwei grundverschiedene Methoden der geschiehtliehen Forschung: die deduktive und die induktive Methode. Der deduktiv verfahrende Forscher bildet sich aus dem Material seiner allgemeinen geschichtlichen Kenntnisse ein ungefähres Schema in seinem Kopf und versucht nun, wenn er die Spezialgeschichte eines Volkes behandelt, die Auswahl seiner Materialien dem Schema anzupasssen, ihren historischen Wert und Unwert nach dem im Kopfe bereits vorhandenen Grundriss einzuschätzen. Der induktiv verfahrende Forscher geht von dem Stoffe aus. Er sammelt die einzelnen Daten unbekümmert um deren künftige Verknüpfung. Hat er alle brauchbaren Elemente im Kopfe zusammengetragen, so wächst da das Vielfache zu einem einheitlichen Organismus zusammen. Vergleichen beide Forscher ihre auf verschiedenen Wegen gewonnenen Resultate miteinander, so ergibt sich folgender Unterschied : Der deduktive Forscher findet überall Parallelen und Analogieen mit dem Entwicklungsgänge der anderen Völker, ihm erscheint die Geschichte des einen Volkes nicht viel anders als die Geschichte des anderen Volkes, er nivelliert, uniformiert und systematisiert. Der induktive Forscher findet überall Abweichungen und Eigenheiten, ihm erscheint die Geschichte des Volkes, welche er behandelt, als eine Individualität, als ein Original, welches keine gleichwertigen Nebenbuhler aufzuweisen vermag. Besonders scharf tritt der Unterschied dieser beiden Forschungsweisen hervor, wenn es sich um das jüdische V01k und seine Geschichte handelt. Darin wurzelt der elementare Gegensatz der Geschichts-