Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 400)
- Language
- German
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277 verholten, die Mutter aller Erfindung, wenn es auch um Dinge sich handelt, heutzutage unbedenklich wie selbstverständlich angesehen und gebraucht. Um nur der mancherlei Werkzeuge und Geräte zu gedenken — wer hat zuerst den Hammer, die Axt geschwungen, den Pflug eingesetzt, Ziegel gebrannt, die Töpfer־ scheibe gedreht-, wer hat das Rad zuerst, den Wagen hergerichtet, das feste Wohnhaus gezimmert? Sehen wir auf die riesengewaltigen Bauten des fernen, vorgeschichtlichen Altertums, des alten Aegyptens, auf die Felsengrotten und Tempel in Indien — man hatte Sprengstoff vor der Erfindung des Pulvers — auf die aufgedeckten Ruinenpaläste von Mykene, was die zutage geförderten Veji, Pompeji und Herkulanum uns zeigen. Matheinatisehe Regeln walteten beim Bau der Stiftshütte wie bei der Herrichtung altbrahmanischer Opferstätten, astronomische Beobachtungen ermöglichten die Seefahrten der alten Phönikier — und dann die Erfahrungen und Erkenntnifse eines Pythagoras, Euklid, Archimedes, eines Empedokles und Demokrit, was die Schriften eines Aristoteles uns dartun, mit dem Wiedererwachen der WiLsenschaften alles zutage getreten. Ja, wird man sagen, wenn das alles gekannt und gewufst gewesen, so wäre auch unser Mittelalter kein solches, kein solches Mittelalter gewesen — und, sage ich, auch ohne dieß, aber mit ״anderem“ Wissen und Erkennen kein solches geworden. Gewils, die frühere Menschheit kannte noch nicht unsere Maschinen und deren Riesenarbeit, fuhr nicht mit Dampf kraft, fuhr, sprach und schrieb nicht mit Blitzkraft und Schnelle in weite Fernen, das alles und noch gar vieles nicht; und doch ists unrecht, ists gar unbedacht, den Geist gering zu achten, den Geist der Menschheit, auf deren Schultern stehend wir weiter auszuschauen vermögend oder vermocht wurden, und noch mehr unbedacht, ja, kühn und vermefsen, alles, ja, alles auf Naturwifsenschaft zu setzen. Wir wollen — so hatte ich eingangs gesagt — Natur und Geist nicht ungehörig in Gegensatz stellen, weil es, wie bemerkt, doch nur gemeine, nur geläufige Auffafsung ist, Natur und Geist, Natur- und Geistesleben wie Leib und Seele getrennt und auseinander zu halten, — wollen nun aber auch gar nicht in die Ferne schauen, sondern Erwerbungen und Errungenschaften der