Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 290)
- Language
- German
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167 W e i n e s c h w i m m e nd e 11 O e 1 e “ in halachischer Beziehung von zwei verschiedenen Seiten erörtert. Nun meint man ja vielfach, dergleichen seien theoretische Erörterungen, kasuistische Einfälle ohne jeden realen Hintergrund und ohne Beziehung zum wirklichen Leben. Das ist aber eine irrige Annahme, die nur deshalb so weit verbreitet ist, weil uns die Kenntnis der damaligen Lebensverhältnisse und der Realien des hebräischen Altertums gänzlich abgeht. Wäre die Archäologie der talmudischen Zeit so gut angebaut und fundiert, wie die der klassischen Völker, so würde dieses Vorurteil schwinden. Der vorliegende Fall ist ein kleines Beispiel dafür. 9. Im Talmud Traktat Chulin 94a wird gelehrt, alles zu vermeiden, was eine, wenn auch unbeabsichtigte, Täuschung, des Nächsten herbeiluhren könnte. Es wird dort unter anderem nach Tosefta Baba Bathra VI und Derech Erez R. VIII gesagt: ״ .לא ישגר אדם להבירו חבית של יין ושמן צף על פיהMan schicke seinem Nächsten keinen Krug mit Wein, auf welchem das Öel obenauf schwimmt“, denn der Empfänger könnte meinen, er sei mit Oel gefüllt und er könnte dadurch unter Umständen in Verlegenheit geraten, wie dies tatsächlich einmal der Fall war. Daraus ergibt sich doch, dass es üblich war, auf die gefüllten Weinkrüge eine Lage Oel zu giessen, denn sonst hätte es einer solchen Warnung nicht bedurft. Man müsste denn annehmen, der Geschenkgeber wolle sich mit seinem Freunde einen schlechten Scherz machen und ihn absichtlich über den Inhalt des Kruges täuschen, was hier gänzlich ausgeschlossen ist. 10. Ueber den Zweck dieses Verfahrens habe ich nur die Vermutung, dass man die Weinkrüge wegen der Gährung nicht fest verschliessen und dennoch den Luftzutritt verhindern wollte, was durch das Aufgiessen des Oeles erreicht wurde. Ein ahnliches Verfahren scheint auch heute noch in Italien üblich zu sein. Wenigstens fand ich in einer humoristischen Reiseschilderung aus Italien, die vor Jahren viel gelesen wurde, folgende Stelle: ״Ebenso macht man es mit den reizenden umflochtenen Weinflaschen, die sie feil hatten . . . Man gibt ihm einen Papierzettel, der Händler schwuppt das Oel ab, das oben auf dem Weine schwimmt, und überreicht einem die Bouteille mit vieler Höflichkeit“. War ein solches Verfahren,