Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 198)
- Language
- German
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Über R. Isaak b. Mose s ״Or Sarua“. Von Dr. J. Wellesz in Nagybittse. Einleitendes. Das grosse lialacliische Werk des R. Isaak b. Mose, das Or Sarua, hat in der Geschichte des Talnuuistudiums nicht diejenige Bedeutung erlangt, welche es vermöge seines Inhalts und Wertes wie auch der Persönlichkeit seines Verfassers wegen beanspruchen durfte. Mannigfache Umstände, zumeist technische Gründe, der grosse Umfang des Codex, hinderten dessen allgemeine Verbreitung und beschränkten denselben auf einen kleinen Kreis. Die zunehmende Autorität R. Meirs aus Rothenburg und seiner Schule, die talmudischen Compendien der nächstfolgenden Epoche verdrängten das grossangelegte Werk R. Isaaks aus Wien. Selbst in Oesterreich konnte es nur kurze Zeit und nicht überall zur Geltung gelangen. Dass die Ansichten RIOS’s in die Schriften der späteren Decisoren Eingang fanden, ist das Verdienst seines Sohnes Chajjim, der das umfangreiche Werk kürzer gefasst hat und somit vieles dazu beitrug, dass der Name seines Vaters nicht in Vergessenheit geriet. Die Handschriften des kleinen Or Sarua, Chajjims Arbeit, lagen den rabbinischen Autoritäten vor, daraus stammen auch die vielen Or Sarua-Excerpte der Hagahot Ascheri, der Glossen R. Israel’s aus Krems. Harte Zeiten brachen für die Juden in Deutschland an. Im XIV. Jahrhundert gestaltete sich ihre Lage immer trostloser. Die Geschichte weiss nur Trübes zu berichten, von Druck und Zwang, von Jammer und Elend. Auch das Geistesleben ist naturgemäss ein armes, dürftiges. Die selbstständige Pflege des Talmudstudiums, das bisher mit rührigem Eifer betrieben wurde,