Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 220)
- Language
- German
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157 Thorawissen verbreitete. Erst als dieser Rab Huna starb und auch Rab Chisda das Zeitliche segnete, wurde Rabba in Pumbeditha Oberhaupt der Metibta kolelcs. Im ganzen fungierte er 22 Jahre; nach seinem Tode im Jahre 4082 522 übernahm Rab Joseph die Leitung, die er 2V/2 Jahre inne hatte. Zur Zeit Rab Josephs kamen trübe Zeiten über die Juden Palästinas. Schon früher, zur Zeit Rab Amis und Rab Assis, sahen sich die Gelehrten gezwungen, den Sitz der Hochschule von Tiberias nach Caesarea zu verlegen, wo damals R. Abahu lebte, der durch seinen grossen Einfluss am Hofe des dort residierenden römischen Statthalters dort einigermassen erträgliche Zustände schuf; nach seinem Tode jedoch war es nicht mehr möglich, einen Resch Metibta zu ernennen, und so drückend wurde die Lage unserer Vorfahren in Palästina, dass ihnen nichts anderes übrig blieb, als das Land zu verlassen und sich nach dem gastfreien Baby- I lonien zu wenden. Die Flüchtlinge, vor allem aber die Gelehrten L der palästinensischen Hochschulen, wurden mit offenen Armen empfangen, sie vereinigten sich mit den Gelehrten Babyloniens und namentlich mit denen Pumbedithas, wo ja zur Zeit der Sitz der Metibta koleles war, zu gemeinsamer Geistesarbeit. So gross war die Zahl der Ankommenden, dass man nach dem Tode Rab Josephs nicht wieder ein einziges babylonisches Schulhaupt wählte, sondern den Palästinensern die Wahl zweier Gelehrten tiberliess, selbst ebenfalls zwei erwählte und den vier so Ernannten die Nominierung eines Schnlhauptes tiberliess. Die vier Gelehrten waren damals die Babylonier Abaje und Raba und die Palästinenser Rabbi Sera II und Rabba bar Mathna. Sie bestimmten, dass derjenige, dessen Ansichten allen Fragen standhielte, Oberhaupt sein sollte. Es war dies Abnje. So sehen wir, dass zur Zeit Abajes und Rabas alle Gelehrten, die das Judentum hatte, die Babyloniens und die Palästinas, in Pumbeditha vereint waren. Uebrigens war die dadurch hervorgerufene Verschmelzung der Lehrmeinungen der Gelehrten Palästinas und Babyloniens schon vorher durch eine Einrichtung herbeigeführt worden, auf die wir zum ersten Male durch Halevy hingewiesen wurden und die einzig in ihrer Art uns zeigt, mit welch wunderbarer Sorgfalt unsere Talmudgrossen das heilige Material, das ihnen zur Bearbeitung anvertraut war, behandelten. Sie bestand im folgenden.