Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 194)
- Language
- German
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Die Hochschulen in Palästina und Babylonien Von Dr. H. Kottek, Rabbiner in Homburg. Der beste Gradmesser für den Bildungsstand eines Volkes sind seine Schulen, de höher ein Volk steht, desto blühender sind seine Schulen, die Pflanzstätten, von denen aus der Geist seinen Weg durch die Lande nimmt. Sie sind das Herz des Volkes, dessen Blut durch die Adern des Körpers rinnt, ihn erwärmend und ihm Leben spendend. Halten wir diesen Gesichtspunkt uns vor Augen und werfen wir, mit ihm ausgestattet, einen Blick auf die Vergangenheit der Völker, welches Volk könnte sich dann unserem jüdischen Volke ebenbürtig an die Seite stellen, in welchem Volke blühten derart die Schulen und waren sie so die Grundbedingung des gesamten Volkslebens, wo war die Bildung so in die einzelnen Glieder gedrungen als in Israel! Wir brauchen nur auf die eine Tatsache hinzuweisen, dass, wie Halevy in seinem Doroth Harischonim bemerkt, zur Zeit Gideons, also lange vor König David, jeder beliebig herausgegriffene Knabe schreiben konnte 1). In einer Zeit, da man bei den anderen Völkern noch nicht an Volksbildung dachte und bei den meisten Nationen in der rohen Körperkraft der Vorzug des Lebens gesehen wurde, war 1j Halevy führt (II, 174 Note 2) folgendes aus: ״Es ist am Platze, hierbei auf die Kultur unserer Vorfahren in den frühesten Zeiten hinzuweisen. Nicht nur zur Zeit Esras, sondern viele Jahrhunderte vorher, zur Zeit der Richter, also zu Beginn des Volkslebens Israels, war die Kunst des Schreibens unter dem gesamten Volke verbreitet. In dem Lied der Deborah heisst es von der Zeit des Siserakampfes: ״ מני מכיר ירדו מחוקקים ומזבולק מושכים בשבט סיפרund von Sebulun die den Griffel des Schreibers führen“. Deborah hob da rühmend hervor, dass auch die, welche sonst im Leben mit dem Schreiben sich beschäftigten, zu den Waffen griffen, dass sie den Griffel des Schreibers mit dem Bogen des Kriegers vertauschten und freiwillig in den Krieg zogen