Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 280)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486269--0613-3486973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
276 verbargen sie sich im Hause eines ihnen bekannten Beamten. Hier hörten sie wiederum von den Nachbarn, dass Juden erschlagen worden seien und dass auch die Juden drei Mann von der Landmiliz getötet hätten. Um sich über die Vorfälle in der Juden- Stadt Gewissheit zu verschaffen, sandten sie ihren Knaben1), dem ruan nicht ansah, dass er ein Jude war, in die Judenstadt. Dieser sah die Ermordeten auf der Strasse liegen und die Verwüstungen der Räuber in der Judenstadt und auf dem Tandelmarkt und berichtete es den drei Juden. Sofort sandten sie den Knaben zum General Harsch, um Hilfe zu erbitten; sie gaben ihm 2 Reichstaler und 2 Dukaten mit für denjenigen, der den Juden Hilfe brächte. General Harsch lehnte jedoch jede Intervention ab mit der Begründung, die Stadt sei schon den Preussen übergeben, und gab dem Knaben den Rat, sich an den proussischen Befehlshaber zu wenden. Der Knabe folgte ihm und bewog durch sein Wehklagen und nicht zum mindesten auch durch das mitgebrachte Geld einen preussischen Befehlshaber, ihm mit Erlaubnis des österreichischen Befehlshabers 11 wohlbewaflfnete Soldaten mitzugeben. Mehr könne er nicht senden, da es erstens nach dem vereinbarten Vertrage den Preussen noch nicht zustehe, in die Stadt einzurücken, zweitens seien auch die in der Stadt befindlichen Truppen noch sehr gering an Zahl. Später wolle er mehr senden. Der preussische Befehlshaber berichtete sofort seinem ausserhalb der Stadt lagernden Könige und erbat seine Befehle. Auf dem Wege nahmen die preussischen Soldaten auch die drei Juden mit, die sich bis dahin verborgen gehalten hatten. Die Prager machten, als sie die preussischen Soldaten in Begleitung der 4 Juden sahen, ihrem Aerger über die Vereitlung ihrer bösen Absicht in Flüchen und Verwünschungen gegen die Juden Luft und behaupteten, die Juden hätten die Preussen in die Stadt gebracht. Die Juden rechtfertigten sich, als sie angesehene Bürger trafen, dahin, dass sie im Einverständnis mit General Harsch gehandelt, und nicht das Geringste im Interesse der Preussen unternommen hätten. Als die Juden mit den Preussen auf den Tandelmarkt kamen, trafen sie die Räuber *) Ich gebe נער mit ״Knabe“ wieder, bemerke aber, dass נעו im damaligen Sprachgebrauche häufig ״Diener ‘ bedeutet.