Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 278)
- Language
- German
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274 ihrer Forderungen zu holen, weil sonst — wenn die Kassa in die Hände der Feinde fiele — die Stände für diese Schulden aufkommen müssten. Vor Beginn des Versöhnungstages wurde den Gemeindevorstehern das Darlehen von 12000 fl. gezahlt. Auch diejenigen Juden, die Waren geliefert hatten, wurden befriedigt. Einige, zu deren Befriedigung das vorhandene Geld nicht reichte, wurden am folgenden Tage, dem Versöhnungstage 1). durch Vermittlung von Christen bezahlt. AmRtisttage desVersöhnungstagesliess dasßabbinat in allen Gassen ausrufen: 1״) Wer in der Altneuschul zugegen war, als der Bann betreffs der Steuer verhängt worden war, komme wiederum hin, den Bann zu lösen. 2) Niemand, mit Ausnahme der Vorbeter und Priester während ihrer Funktionen, soll Kittel und Häubel anlegen, da man, falls Unruhen ausbrechen würden, leicht dazu kommen könne, in den christlichen Städten sich bewegen zu müssen. 3) Jeder darf — zur Vermeidung der Ueberftillung der Synagogen — zu Hause mit Minjan 2) beten. Wer in der Synagoge beten will, soll in die ihm nächstgelegene gehen, damit man sich gegebenenfalls leicht retten könne. 4) Frauen und Kinder dürfen überhaupt nicht in die Synagoge kommen.“ Am Versöhnungstag mussten die Juden, wie gewöhnlich, 300 Mann zum Feuerlöschdienst stellen; diese waren gezwungen, am Versöhnungstag allerlei verbotene Arbeit zu verrichten. Um Mittag hörten die Preussen mit der Beschiessung der Stadt auf. Abends gegen 7 Uhr kamen die auf den Stadtmauern postiert gewesenen Bürger eilig in ihre Häuser; die Waffen gaben sie auf dem Rathause ab, soweit sie sie nicht auf ihrem Posten liegen gelassen hatten. Auch die Juden, die sich dort befunden hatten, kamen nach Hause und erzählten, sie hätten sich im Aufträge des Generals Harsch entfernt, da die Stadt kapituliert habe. Auch die Wachen verliessen ihre Wachhäuser in der Judenstadt und auf dem Tandelmarkte. Die Preussen rückten auf dem Wyschehrad vor bis zum Stadttore. Am 11. Tischri3) gingen die Juden aus Furcht nicht aus der Judenstadt heraus; auch die meisten Stadttore blieben geschlossen. Gegen 10 Uhr fielen ungarische Soldaten und der Pöbel scharenweise in die Judenstadt ein und raubten und plünderten in fürchter- 1l 16. September. 2) Diese Erlaubnis wurde gewöhnlich nur sehr wenigen erteilt 3) 17. September.