Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1904-01-01 · II. 1904 - 5665 (1904) · page 195

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
II. 1904 - 5665 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 195)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3486266-3486269--0528-3486888
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Entwickelung des Königtums im alten Israel• Ein Vortrag, gehalten von Abr. Biberfel Rabbiner am Beth Hamidrasch zu Berlin. Der erste König* in Israel war, wie ein Midraschwort in Anlehnung an V. Mos. 335ל lehrt, Moscheh. Er erhielt lange keinen Nachfolger. Jehoschua bin Nun, der nach seinem Tode zum Führer und Lehrer Israels berufen ward, wird nirgends als König bezeichnet, und die fünfzehn Männer, die während der nächsten etwa drei Jahrhunderte an der Spitze Israels stehen, werden stets nur als Richter (שופטים) bezeichnet. Erst in Saul lebte von Neuem die Königswürde auf, um von da an bis zum Ende der Reiche nicht mehr zu erlöschen. Sieht man von der exorbitanten Stellung ab, welche Moscheh einnahm, so ergibt sich, dass es der geschichtlichen Erfahrungen vieler Jahrhunderte bedurfte, um das Volk Israel für den monarchischen Gedanken zu gewinnen, den es allerdings, nachdem es ihn erst aufgenommen, mit der ganzen Fülle konservativer Zähigkeit, die ihm eignet, festznhalten wusste. Das aber erscheint um so auffälliger, als nach dem einfachen Wortlaute und ebenso nach talmudischer Auffassung der bezüglichen Bibelstelle die Einsetzung eines Königs ein Gebot ist, dessen Erfüllungstermin die Eroberung und Besitznahme des Landes Kanaan sein sollte. Heisst es ja doch an jener Stelle (V Mos 17, 14 ff.): ״Wenn du kommst in das Land, welches der Ewige dein Gott dir gibt und du besitzest es und wohnest darin und du sprichst: Ich will über mich einen König setzen wie all die Völker um mich her: einsetzen sollst du dir einen König, den der Ewige dein Gott erwählen wird, aus der Mitte deiner Brüder sollst du über dich einen König setzen, du darfst nicht einsetzen einen fremden Mann, der nicht dein Bruder ist.“ Und nicht minder auffällig erscheint noch das Andere, dass der Wunsch nach Wahl eines Königs, als er sich endlich durchsetzte, erst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.