Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 188)
- Language
- German
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184 mögliche Grübeleien. Wir haben keine einzige von ihnen übergangen und können getrost das Urteil über sie allen denkenden Lesern überlassen. Zur Sache selbst, aber wollen wir hervorheben, dass man nicht solche Grübeleien als eine Kritik über ein Riesenwerk wie das Haievysche hinstellen sollte. Das Verdienst des Doroth Harischonim besteht nicht in der Auffindung neuer Beweise, die den alten hinzugefügt wurden, auch nicht in Zusätzen zu alten, bereits gewonnenen Resultaten, sondern, wie Bacher selbst es zugibt, darin, dass durch Halevy die jüdische Geschichte in den von ihm behandelten Teilen neu geschaffen wird. Halevy entfernt alles, was Mittelmässigkeit bisher geschaffen hat, mit der Wurzel und errichtet von neuem ein herrliches Gebäude, das in allen seinen Gängen von wunderbarem Licht durchflutet wird. Will man gegen ein solches Gebäude anstürmen, dann muss man schon gegen die festgefügten Mauern, die tiefen Fundamente vorgehen und nicht gegen einzelne Bausteine. Dann muss man die Grundsätze und grundlegenden Behauptungen des Werkes selbst angreifen. Bisher ist das noch von keiner Seite geschehen. Es dürfte auch unmöglich sein; denn־ Halevy ist sein eigener Kritiker. Er stellt keine Behauptung auf, für die er nicht lichtvolle, klare Beweise hat, er operiert nirgends mit Vermutungen und Kombinationen, sondern überall mit festgefügter Wissenschaft. Wir müssen es auch deshalb immer und immer wieder betonen, dass wir es nicht verstehen, wenn von einer gewissen Seite zäh am Alten und Veralteten festgehalten und geflissentlich das Doroth Harischonim übergegangen *) oder auch versucht wird, mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln das Halevysche Werk zu bekämpfen. SiehUman durch Halevy die Helden fallen, zu denen man bisher mitVerehrung emporblickte, so fragen wir: Hatdenn die Wissenschaft etwas mit Personen zu tun? Darf sie Personen- oder Tendenzen-Kultus treiben? Wir sind aber sicher, dass die Wahrheit über alle Hindernisse hinweg ihren Weg gehen wird, und die wahre jüdische Wissenschaft trotz aller Gegnerschaft zu ihrem Rechte gelangt. *) Wir haben bei diesem Vorwurfe nicht Bacher im Auge; denn, in seinen Aufsätzen in der Jew. Encyclopedia bezieht er sich an vielen Stellen auf die im Doroth Harischonim gewonnenen Resultate.