Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 320)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486267--0320-3486679- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
314 der aufrichtigste Dank gebührt. Wir sind damit wieder im Besitz eines Quellenwerkes ersten Ranges, von dem bisher nur der erste Teil gedruckt (Florenz 1750) vorlag. Von welcher Bedeutung dieses Werk ist, und wie sehr es als autoritativ angesehen wurde, geht schon allein aus dem Umstand hervor, dass Jos. Caro es in seinem בית יוסף mehr als 230 Mal citiert. Der Verfasser R. Aharon Hakohen gehörte zu den aus Frankreich von Philipp dem Schönen im Jahre 1306 vertriebenen Juden; auf Majorka fand er nach langem Umherirren Zuflucht und eine ruhige Heimstätte, die ihm gestattete, sein Ritualwerk ארחות חיים zu vollenden. Wie der Bearbeiter und Herausgeber überzeugend nachweist, muss das Werk nach 1327, dem Todesjahr des R. Ascher, der im Werke mit der Beifügung ז״ל erwähnt wird, und vor 1330 abgeschlossen gewesen sein. Wenn man annimmt, dass zwischen dem Anfang der Arbeit und ihrer Beendung eine geraume Zeit liegt, so erklärt sich die auffallende Erscheinung, dass im ersten Teil des R. Salomo Palchu, der in Majorka lehrte, nicht Erwähnung geschieht; der erste Teil war schon abgeschlossen, als der Verfasser nach jener Insel kam, während er bei Bearbeitung, bezw. Ueberarbeitung des zweiten Teils Gelegenheit hatte, manches, was er aus dem Umgang mit dem gelehrten Palchu erfahren, seinem Werke einzuverleiben. Es mag sich daraus auch die Tatsache erklären, dass in einer Handschrift des vorliegenden zweiten Teiles R. Salomo Palchu gar nicht erwähnt ist, während er in zwei anderen 15 Mal genannt wird. Die alte Frage, ob der Verf. des א״ח nicht auch der des כל בו sei, ist durch die Herausgabe dieses zweiten Teils des א״ח nicht entschieden und nicht einmal gefördert; die angeblichen Beweise für die Indentität der Verfasser beider Werke widerlegt der Herausgeber ganz entschieden. Dass der Verfasser nicht aus Lunel, sondern aus Narbonne gebürtig gewesen sei, wie der Herausgeber annimmt, müsste erst noch besser bewiesen werden. Die alte halachische Literatur, die reichlich im vorliegenden Werke vertreten ist, liefert uns nicht nur eine bedeutende Ausbeute an Wissensstoff, es ermöglicht dies uns auch Vergleicbungen zur Feststellung von zweifelhaften Lesarten und vermittelt uns manches aus wichtigen Werken, die im Laufe der