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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1903-01-01 · (I.) 1903 - 5664 (1903) · page 271

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
(I.) 1903 - 5664 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 271)
Language
German
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265 dass wir nicht wissen, ob man ihn noch für würdig• hielt, an der Spitze des Synhedrin zu stehen. Wegen der Kürze seiner Regierung hat dieses für uns auch nur geringes Interesse, und wir gehen sicher nicht weit fehl, wenn wir den grossen Namen R. Jehuda Nessia’s I als den des letzten fürstlichen Vorsitzenden des Synhedrin nennen. R. Jehuda Nessia II kam in jungen Jahren, nach dem frühen Tode seines Vaters R. Gamliel, zur Regierung, und man hätte gewiss an seiner Stelle einen bedeutenden Gesetzeslehrer zum Nassi gewählt, wenn nicht die Befürchtung nahe gelegen hätte, dass die Römer dann der ganzen Institution des Patriarchats, die sie ohnehin mit Argwohn betrachteten, ein Ende gemacht hätten. In seinen jungen Jahren scheint H. Jehuda Nessia noch auf sehr niedriger Stufe der Gelehrsamkeit gestauden zu haben, und musste er nach seinem Regierungsantritt noch eine derbe Zurechtweisung von dem greisen R. Jannai hinnehmen. Als einst R. Jannai, auf die Schulter seines Dieners R. Simlai gestützt, einherging, kam ihnen R. Jehuda Nessia entgegen. R. Simlai sagte: ״Ein Mensch kommt uns entgegen, der selbst schön ist, und dessen Amtstracht schön ist.“ Als er in seine Nähe gekommen war, befühlte R. Jannai seine Kleider und sagte: ״Diese sind nur einem Sackgewand gleich zu achten.“ Als dann auf die Beantwortung einer Frage R. Jehuda Nessia eine unrichtige Bemerkung machte, sagte R. Jannai zu R. Simlai: ״Bringe mich hinweg, der hat keinen Willen zum Lernen.“ (Baba batra 111). Es ist zweifellos, dass R. Jannai aus dem Grunde dem R. Jehuda Nessia II so schroff entgegentrat, weil er ihn in seine Schranken zurückweisen und ihm zeigen wollte, dass er nicht mehr die Autorität der früheren Patriarchen beanspruchen dürfe. In die Jugendzeit des R. Jehuda Nessia II fällt auch sein Konflikt mit Resch Lakisch, von dem uns Jeruschalmi Sanhedrin 2,1 erzählt wird. Der Patriarch zürnte nämlich einst über Resch Lakisch, weil dieser vorgetragen hatte, dass auch der Nassi der Malkutstrafe im gegebenen Falle unterworfen sei. Als er nun seine Häscher aussandte, um ihn zu ergreifen, flüchtete Resch Lakisch in den Turm von Tiberias. Als dann am andern Tage R. Jochanan den R. Jehuda Nessia imLehrhause auf die Bedeutung Resch Lakisch’s als Gesetzeslehrer aufmerksam gemacht hatte, ging der Fürst selbst mit R. Jochanan an den Zufluchtsort seines Beleidigers, um ihn ehrenvoll

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