Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 209)
- Language
- German
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Jelamdenu Rabbenu. Kritische Untersuchung über die Entstehungszeit des Midrasch Jelamdenu. Von Oberrabbiner Dr. M. Lerner-Altona. Von der menschlichen Vernunft erklärt ein tiefer Denker, dass sie baulustig* sei. Philosophische Lehrgebäude, die für alle Zeiten gesichert zu sein schienen, sind schon öfters mit Türmen gekrönt worden die in den Himmel hineinragten; bald darauf aber wurden gegen diese Türme mächtige Schläge geführt und der ganze Bau zu dem Zweck niedergerissen, um nur zu untersuchen, wie das Fundament beschaffen sei. Gleich der spekulativen Philosophie ergeht es der kritischen Midraschforschung. Was heute für unbedingte Gewissheit gilt, wird morgen schon in Frage gestellt. So hat Zunz in seinen ״gottesdienstlichen Vorträgen“ auf Grundlage der von ihm ermittelten, stilistischen Kennzeichen Jugend oder Alter der agadischen Literatur-Erzeugnisse bestimmt und die einzelnen Midrasch werke zu einem einheitlichen Bau zusammengefügt. Die Indicien, welche Zunz veranlassten, die Abfassung des Jelamdenu-Tanchuma und der von ihm abhängigen Werke in eine spätere Zeit zu setzen, werden von B u b e r in der Einleitung zu dem von ihm edierten Tanchuma als Beweise eines höheren Alters erklärt. In neuester Zeit hat May bäum in seiner Programmarbeit von 1901*) B ubers Ansicht als neue Umwälzung anerkannt und das halachische Exordium ״Jelamdenu Rabbenu“ als die älteste Form der Einleitung bezeichnet. Mayb a u m s vielfach irrige Aufstellungen hinsichtlich des Genesis *) Die ältesten Phasen in der Entwicklung der jüdischen Predigt. (Erste Hälfte.)