Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
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112 ״gleichen Verboten von Seite der mit Bayern im Zollverbande ״stehenden Staaten, als nicht angemessen erscheine.“ Damit war eigentlich für alle Buchdruckereien das Todesurteil gesprochen. Die aus der alten Zeit in das neue Jahrhundert hiheinragenden Offizinen waren den Ansprüchen der Zeit, nicht mehr gewachsen; das Publikum stellte höhere Ansprüche an die grammatische Korrektheit und an den sauberen Druck, an die Ausstattung der ihm gebotenen Synagogen- und Hausliteratur Die an den alten Traditionen hängenden Offizinen vermochten mit dem Umschwung des Geschmacks nicht gleichen Schritt zu halten. Nicht einmal der gute Wille, den sie zeigten, half. Wie krampfhaft bemühte sich die Firma Arnstein, die allen Ansprüchen ge-!lügenden Gebetbücher, Machsorim, Pentateuche der jungen Rödelheimer Schwester nachzuahmen; jeder Versuch misslang; man kann nicht durch einen blossen Willensentschluss seinen Charakter ablegen, besonders, wenn er, wie hier, fast zwei Jahrhunderte sorgfältig gehütet und gepflegt worden. Jede Nachahmung der Rödelheimer Drucke war eine Missgeburt — fehlerhafter Text trostlos nachlässige Paginierung — in schönem Gewände. Gelehrte Werke fanden in dieser Zeit schon nur ein kleines Publikum; die Laienliteratur, die allein der Druckerei eine gesunde materielle Grundlage geben konnte, war durch Rödelheim abgegraben. Das benachbarte Oesterreich, das mit den Hunderttausenden von Juden in allen seinen Ländern einen Ersatz für den Ausfall im westlichen Deutschland hätte bieten können, war seit 1800 gesperrt. Dazu kam noch ein anderer, durch den Umschwung der Zeit Verhältnisse herbeigeführter, Umstand. Der Verkehr hatte sich andre Zentren ausgesucht, das Leben der Juden und jüdischen Gemeinden sich um andere Mittelpunkte gruppiert. Die alte Zeit, die der selbständigen, segensreichen, auch nach aussen hin wirksamen Entwicklung kleinerer jüdischen Gemeinden so günstig gewesen, war definitiv dahin; sie sanken meist zur Bedeutungslosigkeit herab, das neue Leben flutete über sie hinweg in die grossen Städte mit ihren sich bildenden grossen Gemeinden. Das schon durch Natur und Geschichte etwas isolierte Sulzbach blieb abseits liegen. Eine einzige Presse zeugte