Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 105)
- Language
- German
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99 A uch Seligman Lazarus, Vormund der Tochter Naftalis aus erster Ehe, erklärte das Kind als übervorteilt durch jenen Kauf, und schliesslich erhob auch Naftali selbst Klage gegen Ahron bei den Sulzbacher Behörden. Ahron habe, seine Notlage ausnutzend, den Kaufpreis unverhältnismässig niedrig gehalten, der Kauf sei darum ungiltig; zudem forderte er für die 6 Jahre 1772—78 während deren er noch nomineller Teilhaber an der Druckerei war, den Gewinn zur Hälfte. Er war unterdessen so heruntergekommen, dass er betteln gehen musste. Sein Weib und seine Kinder lagen dem 85jährigen Salman auf dem Hals; er musste sie vollständig erhalten und noch obendrein das Geschrei der Enkelkinder und das Lamentieren der Schwiegertochter über sich ergehen lassen, welche ihm mit ewigen Klagen über ihr verlorenes, Naftali eingebrachtes, Heiratsgut das Leben verbitterte. Und so musste auch er, wenige Monate oder Wochen vor seinem Tode, gegen seinen eigenen ältesten Sohn Ahron gerichtlich vorgehen. Er erklärte zwar zu Protokoll, sämtlichen Kindern gleich grosse Liebe entgegenzubringen, in diesem Falle sich aber auf Naftalis Seite stellen zu müssen, und richtete das Ansuchen an die Kegierung, Erstgenannten zu einer billigen Erhöhung der Kaufsumme zu zwingen. Am 7. Juni 1780 kam unter seiner und der ßegierung kräftigster Mithilfe ein Vergleich zu stände. Naftalis Ehefrau erhielt 500 fl., das Kind erster Ehe, dessen mütterlicherseits eingebrachtes Erbe von 1600 fl. schon längst dahin war, 800 fl. von Ahron zugesprochen. Dagegen wurde diesem nun ein förmlicher Kaufbrief über die gesamte Druckerei regierungsseitig ausgehändigt. Naftali aber irrte weiterhin in der Welt umher und versah Vorsinger- und Schächterstellen im Würzburgischen und Fuldaischen; 30 Jahre später erst tauchte der 70 jährige wieder in Sulzbach auf. Ein Sohn, Wolf Hirsch Naftali, lebte später in Sulzbach;*) eine Tochter war an Abraham Moyses Löb in Sulzbach, einen Sohn des früher genannten Moses Löb (Naftalis Bruder), verheiratet. *) Er heiratete Gütel, die 54 jährige Witwe des Löb Joseph in Sulzbach (1808); in Sulzbach durfte er sich niederlassen, weil keine neue Schutznummer entstand, eine solche vielmehr auf der Frau bereits ruhte.