Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 814 (sequence 823)
- Language
- German, English, Hebrew
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814 $. Council-Sitzung: Schlußrede Wir dürfen getrost sagen, Palästina ist hors de concours. Aber man spiegelt einem armen, bedrückten Volke Träume vor, die dann zu schweren und bitteren Enttäuschungen führen, und es ist eine unnütze Zersplitterung der Kräfte, selbst wenn es gelingt, hie und da Menschen unterzubringen — ich unterschätze die Arbeit der Hilfskomitees nicht, wir haben in ihnen mitgearbeitet, wo wir konnten. Aber eine rasche Lösung des heutigen Judenproblems von heute auf morgen gibt es außerhalb Palästinas nicht. Nun sagt man, Palästina sei zu klein. Darauf kann ich nur eine Antwort und einen Rat geben: Füllen Sie auf, was in Palästina noch ausgefüllt werden kann! Ich werde es leider nicht erleben, denn es ist noch 20 Jahre lang Zeit, in demselben Tempo und vielleicht in einem noch größeren Tempo zu arbeiten. Ich bin überzeugt, wenn Sie dieses starke Zentrum geschaffen haben, dann haben Sie das Gesicht Palästinas und das Gesicht des Nahen Ostens so verwandelt, daß Möglichkeiten entstehen, von denen wir heute nicht einmal träumen können, genau so, wie wir vor 20 Jahren nicht davon geträumt haben, daß jetzt 60.000 Menschen jährlich von Palästina aufgenommen werden können. Ich erinnere mich einer Diskussion, die ich vor vier Jahren mit Lord Passfield hatte und in der er mir sagte, es gebe keinen Platz für eine Katze in Palästina. Seitdem sind 200.000 Menschen eingewandert. Immer, wenn düstere Zeiten kommen, stehen Retter auf mit schnellen Rezepten. Es gibt aber keinen Derech hamelech nach Erez Israel, der Weg ist klein, schipal, hart. Es gibt keinen leichten Zionismus^ es gibt keine leichte Lösung der Judenfrage, die Arbeit ist schwer und schmerzhaft. Wir haben dieses Joch der Arbeit auf uns genommen, und ich freue mich, daß diese Last heute geteilt wird zwischen Zionisten und jenen, die sich vielleicht Nichtzionisten nennen, aber im Grunde dasselbe tun, was wir tun wollen. Ich wünsche dem Council, daß die Nichtzionisten zur nächsten Sitzung in organisierter Form erscheinen. Zionisten und Nichtzionistcn nähern sich gegenseitig in asymptotischer Weise — die Mathematiker wissen, was das bedeutet. Und dort, wo einmal ein großes jüdisches Gemeinwesen stehen wird, dort wird es keinen Unterschied mehr geben zwischen Zionisten und Nichtzionisten. Es wird ein großes jüdisches Gemeinwesen entstehen, das sich frei in seiner Eigenart wird entwickeln können. Die Ansätze sehen wir schon jetzt. Wir stehen im Stadium der Verwirklichung. Sie ist immer schmerzhaft, aber es ist schon ein Glück, daß man sehen kann, wie es vorwärts geht. Ich wünsche Ihnen, Sie mögen dieses Gefühl des Glücks jetzt mit auf Ihren Weg nach Hause nehmen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) DR. ABBA H. SILVER (Zionist — spricht englisch): Ich glaube, daß ich im Namen aller spreche, wenn ich unserem Vorsitzenden für die hervorragende Leitung der Verhandlungen unseren herzlichsten Dank ausspreche. (Lebhafter Beifall.) VORS. VIZEPRÄS. MORRIS ROTHENBERG: Die IV. Tagung des Council der Jewish Agency ist damit geschlossen. (Lebhafter, langanhaltender BeifalL Die Versammlung erhebt sich und stimmt die „Tikwa" an.) Schlünder Sitzung: ij Uhr jo.Min.