Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 778 (sequence 787)
- Language
- German, English, Hebrew
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778 4. Council-Sitzung: Generaldebatte nicht genügt, wenn einige hundert Nichtzionisten Keren Hajessod zahlen. Nur die gemeinsamen Leistungen der Zionistcn und der Nichtzionisten, wenn sie als einheitliche Leistungen d:r Jewish Agency erscheinen, können als großzügige Grundlage für eine gute Arbeit und Organisation der Jewish Agency in den einzelnen Ländern dienen. Ohne diese Grundlage werden Sie nur ein Statut aufstellen für Mitglieder, die nicht in der Agency sein werden. Das ist nicht unser Wunsch. Wir wollen einen starken und vollwertigen Partner haben. (Lebhafter Beifall.) RABB. DR. ROSENMAN (Polen — spricht deutsch): Es gibt Dinge, über die man immer sprechen muß, weil sie von großer Bedeutung sind. Ich möchte hier die Frage der Hachscharah berühren. Dr. Ruppin hat hier die bedauerliche Tatsache festgestellt, daß sich viel mehr Menschen in Erez Israel der Landwirtschaft zuwenden müßten, als dies tatsächlich der Fall ist. Es ist auch bekannt, daß in den letzten Jahren die Arbeiterjugend in Erez Israel lieber in die Stadt als auf das Land geht. Das alles hängt mit dem Problem der Hachscharah zusammen. Sie war ursprünglich so gedacht, daß man die jungen Leute für die Landwirtschaft vorbereitet, in Wirklichkeit sieht die Sache aber anders aus. Zu uns nach Bialystok — die Verhältnisse liegen jedoch überall gleich — kommen Hunderte von jungen Leuten. Das erste ist die Wohnungsfrage. Man löst sie so, daß man 3 bis 4 Zimmer mietet, so daß manchmal 20 bis 30 Personen in einem Zimmer schlafen müssen. Man kann sich denken, was das vom hygienischen Standpunkt bedeutet. Was aber die Arbeit betrifft, die diese jungen Leute bekommen, so ist von Landwirtschaft keine Rede. Nicht einmal in Fabriken werden sie aufgenommen. Sie bekommen Gelegenheitsarbeit wie Holzhacken, Kohletragen, Wohnungsumzüge und dergleichen. Und es bekommen auch nicht alle diese Arbeit. Dabei herrscht ein hoher Idealismus. Als unlängst eine Gruppe eine Umzugsarbeit bekam und ihnen neben dem Lohn noch ein Frühstück angeboten wurde, wiesen sie letzteres ab mit dem Hinweis, daß sie ohne ihre übrigen Chawerim nicht frühstücken könnten. Sie wollen also auch den Hunger teilen. Was nützt aber dieser Idealismus, wenn die Leute gesundheitlich schwer geschädigt werden und im Grunde doch nichts lernen? Mit nicht allzuviel Mitteln könnte man überall außerhalb der Städte einige Hektar Land pachten, wo diese Menschen arbeiten können. Sie könnten sich dort wirklich für die Landwirtschaft vorbereiten und von der Arbeit ihrer Hände leben, die Mädchen könnten kochen und nähen lernen. Hierbei ist noch zu bedenken, daß diese Arbeiter bei der Art,, wie man sie heute verwendet, für die einheimischen Arbeiter, Lastträger, Transportarbeiter eine schwere Konkurrenz bedeuten. Im Budget ist für Hachscharah ein Betrag von 10.000 Pfund ausgeworfen. Das ist viel zt wenig. Ich komme sehr oft mit den Chaluzim in Berührung, kenne ihre La;e und halte es deshalb für meine Pflicht, auf diese traurige, unerträgliche Lage hinzuweisen. Man muß unbedingt Mittel und Wege finden, um die Hachscharah auf eine gesunde Basis zu stellen. Es wäre keine unfruchtbare Aufgabe, denn es handelt sich wahrlich um unsere Zukunft. Ich bitte Sie, sich meine Worte zu Herzen zu nehmen und Mittel und Wege zu suchen, um aus der Hachscharah einen Segen für unsere Chaluzim und den Aufbau von Erez Israel zu machen. (Beifall.)