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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 769

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 769 (sequence 778)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Janner, Horovitz 769 ihnen trennen müssen. Wir wissen, unsere Kinder gehen von uns, dem deutschen Israel, fort, und damit geht die Schechina von uns. Unser Gebet aber, unsere Sehnsucht, unsere Hoffnung ist, daß sie mit unseren Kindern nach Zion gehen möge. Gerade darum aber sind wir so tief erschüttert von dem, was wir von den Zuständen in Ben Schemen hören. Ich verkenne keinen Augenblick die großen Verdienste des Herrn Dr. Lehmann. Ich verneige mich vor seiner Uncigennützigkeit, vor seiner unermüdlichen Arbeitskraft, vor seiner warmen Liebe zur Jugend. Aber wie dürfte ich davon schweigen, daß es im Heiligen Lande ein großes Kinderdorf gibt, das den Mittelpunkt, die Hauptstätte der deutschen Kinderalajah bildet und das den linkesten jüdischen Radikalismus in Deutschland weit hinter sich läßt, daß im Heiligen Lande eine Stätte vorhanden ist, in der der Name Gottes nicht angerufen wird, an der keine Gebete gesprochen werden, an der Kinder keine Gelegenheit haben, Kaddisch für ihre Eltern zu sagen. Hier gilt wahrhaft das talmudische Wort „Alijah su jerida hi". Eine solche Alijah bedeutet keinen Aufstieg, sondern ein Hinabgleiten von allen Höhen. Wir Juden sind von Haus aus die größten Individualisten. Gerade darum aber bedürfen wir, abgesehen von allem Religiösen, mehr als alles andere der strengen Zucht des Gesetzes, das unser leidenschaftliches Naturell zügelt, beruhigt, ins Gleichgewicht bringt und in Disziplin hält. Wir Juden haben oft den Fehler gemacht, das Modernste in einem Zeitpunkt zu übernehmen, in dem es schon nicht mehr modern war, um es dann noch zu überbieten und zu überspitzen. Ein großer Teil dieses längst überholten Modernismus beherrscht Ben-Schemen. Das Kind ist dort der Befehlshaber. Gerade das Judentum weiß den Wert des Individuums und der Individualität zu schätzen. Sein ist das Wort „Erziehe das Kind nach seiner Art". Es weiß, daß es keine Erziehung gibt, ohne daß der Erzieher immer tiefer in das Wesen jedes einzelnen Kindes eindringt. Erziehen aber heißt in unserer heiligen Sprache „chanoch", und das bedeutet „weihen". Es gibt keine Erziehung ohne Religion, ohne Weihe, und am wenigsten darf sie in Erez Israel fehlen, das für uns unser Heiliges Land ist und bleibt und immer mehr werden soll. Gleich in den ersten Zeilen der Heiligen Schrift ist vom Tohuwabohu die Rede. Selbst die göttliche Schöpfung hat mit einem solchen Tohuwabohu begonnen. Dann aber heißt es „der Geist Gottes schwebte über den Wassern". Und weiter lesen wir, daß das Licht kam. Wir haben lange, allzu lange geschwiegen. Wir glaubten, daß dieses Tohuwabohu nur ein vorübergehender Zustand sei. Jetzt ist aber unsere Geduld erschöpft, nachdem noch keinerlei Anzeichen einer Änderung, einer Besserung zu verzeichnen sind, nichts davon zu merken ist, daß man den Geist Gottes ehrfürchtig zu sehen beginnt über dem Abgrund, der uns zu verschlingen, zu vernichten droht, Venn wir jenen Geist Gottes nicht zu sehen beginnen. Dort, wo beim Propheten Jesaja das Wort zu lesen ist, „Uwa le-Zion go'el", „und für Zion kommt der Erlöser", folgt unmittelbar danach das Wort „Und dies ist mein Bund mit ihnen..., daß mein Wort nicht aus dem Munde ihrer Kinder und •Kindeskinder weiche." Sorgen wir dafür, daß es keine Stätte in Erez Israel gibt, die dem großen Ganzen dient, an der die große Überlieferung der Jahrtausende unterbrochen, verleugnet und verhöhnt wird. Sorgen wir dafür, daß überall die Weihe des Sabbats und der Kaschruth eine Selbstver- 49

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