Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 768 (sequence 777)
- Language
- German, English, Hebrew
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7G8 j. Council-Sitzung: Generaldebatte Was die Juden jetzt in Palästina schaffen, leisten sie nicht nur für sich selbst, sondern für die jüdische Gemeinschaft als Ganzes. Wir haben kein Recht, in dieser für das jüdische Volk kritischen Zeit untätig dazustehen. Es genügt nicht, daß die Zionisten und Nichtzionisten nur zum Kongreß oder zum Council kommen und damit ihre Pflicht erfüllt zu haben glauben, eventuell größere oder kleinere Vertretungen in diesen Gremien verlangen. Die Hauptsache ist, daß jeder Zionist oder Nichtzionist vom Bewußtsein durchdrungen ist, daß er, wenn er diese Tagung verläßt, zu Hause praktisch für unsere Sache arbeiten und auch andere zur Mitarbeit bewegen muß, damit das jüdische Volk dem Palästinawerk die Hilfe gewähre, die es heute braucht. (Beifall.) RABB. DR. JAKOB HOROVITZ (Deutschland — spricht deutsch): Wir haben hier soeben ergreifende Worte über das ,Jeruschalajim schcl ma'ala" gehört. Gerade wir deutschen Juden, die wir dankbar anerkennen, welche Hilfe uns das „Jeruschalajim schel matta", das irdische Palästina, gewährt, wissen doch auch am besten, daß wir Sinn und Bedeutung unseres Geschicks erst in Verbindung mit dem „Jeruschalajim schel ma'ala" erfahren. Auch im Referat von Dr. Ruppin haben wir einen Hauch dieses Geistes verspürt. Wir beglückwünschen das Palästinawerk zu einem Wirtschaftspolitiker von solchem Range. Wir Juden werden oft getadelt wegen unseres Rationalismus. Und doch nennt gerade das Judentum die höchste Weisheit „Chochmat halew". Wahre Weisheit kommt nie allein aus dem Verstand, sondern aus dem Herzen und aus der Seele. Nur in einem Punkte stimme ich mit Dr. Ruppin nicht übercin. Die Zeit ist noch nicht gekommen, in der die Bezeichnung „Nichtzionisten" verschwinden kann. Ich persönlich hätte nichts ge^en die Benennung „Dorsche Zion" oder dergleichen. Man könnte uns meinetwegen „nichtzionistische Zionisten" nennen (Heiterkeit). Wer aber für den Keren Hajessod tätig ist, weiß, daß einstweilen gerade die Bezeichnung „Nichtzionisten" propagandistisch förderlich ist. Wichtig und grundlegend wird sein, daß auch wir Nichtzionisten als ideale Forderung anerkennen, daß jeder, der zur Jewish Agency gehört, einen bestimmten Teil seines Einkommens dem Keren Hajessod zur Verfügung stellt. Wir haben heute vormittags das Referat von Miß Scold gehört. Wer es gehört hat, war tief bewegt von den Taten und Worten dieser edlen Frau, die selber ganz Seele, ganz jüdische Seele, ganz Weiblichkeit ist. Unser Dank, zumal der Dank der deutschen Juden, kann nicht tief genug sein, sowohl ihr gegenüber wie gegenüber Fräulein Stern, Herrn Dr. Senator und all den edlen Männern und Frauen, die sich mit solcher Selbstlosigkeit in den Dienst der Kinder- und Jugendalijah stellen. Im Buche der Klagelieder heißt es einmal: „Ihre Tore sind zerstört, ihre Priester seufzen, ihre Jungfrauen trauern, ihre Kinder gehen hinweg..:. da geht von Zion weg sein Glanz." Dazu bemerkt der Midrasch: „Dort, wo es heißt, ,die Tore sind zerstört', heißt es nicht, daß von Zion sein Glanz weggehe. Erst dort ist davon die Rede, wo gesagt wird, ,ihre Kinder gehen hinweg'". Das Sanhedrin, das Gericht, das an den Toren der Stadt tagte, ging von Zion weg, die Schcchina aber blieb da. Als aber die Kinder weggingen, ging die Schcchina weg. Das ist unser, der deutschen Juden tiefste Tragik, daß unsere Familien zerrissen werden, daß uns unsere Kinder verlassen, und daß wir uns von